Archiv für den Monat: März 2009

Hamburg

Der Samstag verlief ganz anders als geplant. Kurz nachdem ich beim Bäcker gefrühstückt hatte, kam ich auf die Idee nach Hamburg zu fahren. Einziger Nachteil an der Sache: Ich mußte noch mit dem Rad nach Hause(5 Min.), Nachbarin informieren weil ich erst mit ihr weg wollte,  umziehen und zu Fuß zum Bahnhof (10 Min.) Aber ich hatte ja noch 24 Minuten Zeit.

Der Tag in Hamburg war schön. In Ruhe bummeln und Kaffee trinken.  Einzig bemerkenswert war die Situation im Restaurant. Es war so voll das ich mich überwinden mußte rein zu gehen. Früher wäre ich weiter gegangen. Und wenn ich es doch gewagt hätte, ein Steak hätte ich garantiert nicht bestellt. Aber ich habe es doch gewagt. Und alles ging gut.

Es ist doch komisch. Manchmal bin ich immer noch  nervös Selbstverständliches zu tun. Aber es ist nicht normal das ein Gast die Kellnerin bittet ihm das Steak klein zu schneiden.  Zum Glück kann niemand in mein Inneres sehen

Haushalt

Es ist schon eine Umstellung, wenn man allein zuhause ist. Alles muß selber erledigt werden. Dabei ist es doch so angenehm wenn die Frau da ist.  Zum Glück war ich früher Junggeselle. In den 6 Jahren, meines Junggesellendaseins, habe ich ziemlich viel gelernt. Vor allen auf eigenen Füßen zu stehen. Als ich mit 19 auszog war ich oft der Verzweiflung nahe. Aber ich habe immer an mich und das Leben geglaubt. Auch wenn ich sehr schwere Epeleptische Anfälle hatte. Den Glauben an eine bessere Zeit habe ich nie aufgegeben. Aus dieser Zeit habe ich meine Stärke gezogen.  Ich mußte mich ja um alles kümmern. Ob es das Spiegelei war oder Schuhe zumachen. Bettwäsche neu beziehen – kein Problem. Ich mußte nur ca. 60 Minuten dafür einkalkulieren. Und so war es bei allen Dingen. Es ging,  es war zu schaffen. Es war immer nur eine Frage der Zeit und der Geduld.

Und genau diese Eigenschaften kamen mir heute wiedermal zugute. Blumen gießen, Badezimmer alles ein wenig zurecht rücken und dann noch Wäsche waschen. Alles kein Problem. Ich mußte mir nur die Worte Geduld und Disziplin ins Gedächtnis rufen

Semesterferien?

Es war ein Tag ohne große Höhepunkte. Ungewöhnlich war heute nur der rege Betrieb in unserer Fachbereichsbibliothek. Obwohl Semesterferien sind,  war heute  Hochbetrieb.

Ich habe es etwas ruhiger angehen lassen und war den ganzen Nachmittag bei einer guten Bekannten.

Wenn ich das so bedenke, muß ich sagen: Die ständige Quälerei in Bezug auf Disziplin und gepflegt herumlaufen, sich nicht gehen lassen und immer hartnäckig sein Ziel verfolgen und auch nicht bei Rückschlägen sich beirren lassen.


Es lohnt sich!

Es gibt dann sehr viele schöne Momente die man erleben kann. Vor allem im menschlichen Bereich.

Müde

Es ist schon Dienstag. Eine kleine Umstellung ist es schon, täglich etwas nieder zu schreiben.

Auch heute bin ich wieder mit dem Rad zur Uni gefahren.  Denn auf dem Rad werde ich am besten wach.  Auf dem Rad darf ich mir keine Müdigkeit erlauben. Denn wenn ich einmal nicht voll aufgepasse ist es passiert –  Unfall.  Aber der letzte liegt schon einige Jahre zurück

Es ist eben nicht ganz so leicht mit einer Hand zu fahren und mit dem Körper immer die richtige Balance zu  finden

Heute stand Haushalt auf dem Programm. Das war Stress. Nach einer Stunde habe ich abgebrochen und meine Aktivitäten auf morgen verschoben. Das ist der Teil der Strohwitwerzeit, den ich garnicht mag

Freitag der 7.3.2009

Gestern war ich auf der CEBIT. Es war anstrengend aber schön. Den ganzen Tag bin ich durch die Hallen gelaufen. Erst gezielt  und zum Glück erfolgreich. Alles was ich wissen wollte habe ich erfahren. Bei Microsoft habe ich einige Vorträge gespannt verfolgt
Später bin ich wahllos durch einige Hallen gegangen um mich zu informieren.
Eigentlich wollte ich ja noch weg in der Nacht aber dazu war ich dann doch zu geschafft. Darum bin ich zuhause geblieben
Heute habe ich erst einmal ausgeschlafen

Anfang

Nach all den Gesundheitlichen Einführungen kann ich jetzt durchstarten mit meinen Blog.

Nur wo fange ich an? Nehme ich meine Freizeit oder das alltägliche Leben? Ich werde mich wohl auf den Bereich der Behinderung konzentrieren. Da mein Handicap ein Großteil meines Lebens bestimmt, wird es eine Menge zu berichten geben

Warum

Ich habe lange gezögert diesen Blog zu schreiben. Aber inzwischen bin ich davon überzeugt das es eine richtige Entscheidung war, mich im Internet zu zeigen.

Obwohl ich nicht Weise bin habe ich als Überschrift „Leanders Weisheiten“ gewählt, da “ Leanders Blog “ schon vergeben war.

Meine Erlebnisse als Behinderter Mensch. Erfahrungen von heute und aus den letzten 42 Jahren. Hier will ich tägliche Gedanken und persönliche Erlebnisse wiedergeben.

Für den einen mögen sie zum Schmunzeln sein für andere hilfreich und motivierend.
Es sind keine Erfindungen oder Träumereien sondern Realität
Ich hoffe hiermit einigen Menschen Mut und Stärke vermitteln zu können

Zur Person

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Die unten aufgeführte Beschreibung meiner Person entspricht zwar den Tatsachen, sie kann allerdings nicht unkommentiert stehen bleiben. Doch gerade an ihr kann man eine Weiterentwicklung sehen. Denn jeder neue Tag bedeutet Neues Lernen. Genau aus diesen Grund bleibt es so, wie es damals von mir geschrieben wurde.

Mit dem Jahrgang 56 gehört man schon fast zum alten Eisen. Das dieses Gefühl bei mir nur am Montag Morgen aufkommt kann man noch ausführlich lesen. Nach all dem erlebten ist es eine Freude, diese Ereignisse auch die  negativen, vor allen jedoch die Positiven Erlebnisse zu teilen.    

So würde meine Einführung Heute aussehen, und fettgedruckt sah es im März 2009 aus.

Ich bin 52 Jahre alt und lebe in Bremen, und arbeite an der Uni Bremen. Seid 1983 bin ich verheiratet. Eigentlich ist alles ganz normal bei mir Aber dadurch das ich Schwerbehindert bin ist es doch etwas anders bei mir. Meine Freizeit Aktivitäten sind Politik, Fußball, Sport und natürlich Computer bzw. Internet  Dazu kommt unser Kleingarten. Ich handel nach dem Motto:Genieße jeden Tag

Ich bin linksseitig gelähmt und mußte im Laufe eines halben Jahres fünf Kopf-Operationen über mich ergehen lassen. 

Die Ärzte waren sich nicht einig ob es Gehirnbluten oder ein Aneurysma war. Aber das war ja auch 1967.Damals lag ich 33 Tage im Koma, während der Zeit wurde mir ein Teil der Schädeldecke entfernt. Später bekam ich, aufgrund einer damals revolutionären Methode, eine Plastikplatte eingesetzt. (Heute wird die Schädeldecke nur aufgeschnitten. Das herausgeschnittene Teil wird dann später wieder eingefügt)

Vor ein paar Jahren erfuhr ich dann die ganze Wahrheit über meinen Kopf. Und die war niederschmetternd. Ein Ventil befindet sich noch dort und ein Metalclip ist auch noch vorhanden. Ein Teil Gehirnmasse fehlt, und große Teile der rechten Gehirnhälfte sind defekt. (Darauf werde ich später mal eingehen) Das ist die medizinische Umschreibung dafür das mein Gehirn an der Stelle nicht mehr funktioniert.
Eigentlich waren es Voraussetzungen für ein kurzes qualvolles Leben. Dann hätten die Ärzte aber mit ihrer Prognose, die mir nur noch eine Lebenserwartung von höchstens 7 Jahren gaben, recht gehabt.
Aber ich wollte Stärke zeigen und beweisen das es auch anders geht.

Da ich mich immer durchgekämpft habe und allen Vorurteilen getrotzt habe, ist es an der Zeit etwas davon zu erzählen um aufzuzeigen was jeder mit festen Willen schaffen kann