Kaffeepott

Ich könnte auch Stammtisch sagen. Aber wir trinken nur Kaffee oder auch inzwischen Tee. Bevor ich morgens zur Arbeit fahre, gehe ich vorher noch einen Kaffee trinken. Das mache ich schon über 19 Jahre.

Es war der erste Arbeitstag im Januar 1990. Ich wollte morgens etwas anderes machen, und beschloss noch einen Kaffee vor der Arbeit, aber Außerhaus zu trinken. So ging ich  in ein Kaffeegeschäft mit Ausschank. Nachdem ich 2 Tage allein an meinen Tisch war, habe ich am 3. Tag meinen ganzen Mut zusammen genommen und bei einer lustigen Runde von Geschäftsleuten gefragt, ob ich mich dazustellen dürfe. Und seitdem bin ich ein Teil dieser Runde. Später erfuhr ich das sie von meinen Selbstbewußtsein angetan waren und deswegen zugestimmt haben. (Es wußte ja keiner von ihnen wie es in mir aussah. Nervös und unsicher war ich im Innern. Aber das habe ich nur Zuhause erzählt) Es war für mich ein neues Gefühl das ich in den folgenden Jahren durchlebt habe. Wenn es mir nicht gut ging und ich einen Anfall bekommen habe, dann gab es keine komischen Blicke, herablassende Worte oder mitleidvolle Kommentare.  Sie wußten das es Realität ist, die jeden von ihnen jederzeit auch widerfahren könnte. Und genau deswegen ist dieser Stammtisch, der zwischen 8.00 Uhr und max. 9.00 Uhr stattfindet so wichtig für mich. Ja, er hat auch Einfluß auf mein Leben gehabt

Im Laufe der Jahre hat sich die Runde, altersbedingt, etwas reduziert.  Während wir früher nur Männer waren, (Phasenweise bis zu 13, durchschnittlich waren wir 7 Leute) so sind heute eine kleine Gruppe von Frauen, alle in meinen Alter, ein fester Bestandtteil dieses Kaffeepotts. Und auch sie zeigen das gleiche Verhalten mir gegenüber. Das konnte ich heute morgen wieder einmal fesstellen. Wahrscheinlich hatte mir die Schwüle zugesetzt, so das ich einige Anfälle bekam. Sie haben sich nichts anmerken lassen. Sie haben sich ganz normal weiter verhalten. Und ich weiß. Sie werden morgen auch wieder da stehen. Im Laufe der Jahre habe ich gelernt, das meine Krankheit nichts abtoßendes hat. Ich muß mich nicht dafür schämen. Das müssen diejenigen, die auf mich herabsehen als wäre ich etwas aus einer anderen Welt. Diese Runde hat im Laufe der Jahre viel dazu beigetragen, das ich Selbstbewußt mit meiner Krankheit umgehen kann.

Und darum ist ihr der heutige Blog gewidmet. Denn es sind allesamt wunderbare Menschen, die ich früher und auch heute um mich herum habe.

Autor: Leander

Ich bin 52 Jahre.Lebe in Bremen und arbeite an der Uni Bremen. Seid 1983 bin ich verheiratet. Eigentlich ist alles ganz normal bei mir Aber dadurch das ich Schwerbehindert bin ist es nicht mehr ganz so normal. Meine Freizeit Aktivitäten sind Politik, Fußball, Sport und natürlich Computer bzw. Internet Dazu kommt unser Kleingarten Ich handel nach dem Motto: Genieße jeden Tag

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