Eindhoven

Selten habe ich so schnell ein Zimmer bekommen. Die restlichen Stunden des Tages habe ich auf dem Rathausplatz genossen. Das war der Schlußsatz letzte Woche. antwerpen-grotemarkt0.jpgNach dieser Vorverurteilung der Dame am Empfang habe ich es genossen frisch geduscht und in neuen Outfit ihr meinen Zimmerschlüssel zu geben, um mich dann zum Rathausplatz zu begeben. Es ist einer der schönsten Marktplätze die ich je gesehen habe. Das ist Lebensqualität dachte ich mir so. Damit war der Beginn eines langen Abends, den ich mit Beobachtungen und Gedanken verbracht habe eröffnet. Eine Entscheidung mußte ich jetzt allerdings treffen – sie hatte Vorrang. Wie geht es weiter? Brüssel – Lüttich – Aachen, oder Eindhoven – Aachen? Brüssel wäre natürlich ein Traum. Aber immer nur Autobahn fahren, das war kein verlockender Gedanke. Bisher hatte ich ja Glück gehabt das ich kein Autobahnkreuz passieren mußte. Aber ob das auch weiterhin der Fall sein würde? Der Verkehr wäre dort wahrscheinlich noch größer als bisher? Die restliche Strecke wäre auch ziemlich hügelig. Verlockende Aussichten waren das nicht. Auf der anderen Seite, hatte ich die Möglichkeit so schnell wie möglich aus Belgien raus zu kommen, um dann in Eindhoven zu übernachten. So hätte ich auch noch genügend Zeit für einen Abstecher nach Maastricht um dann eine Kurz Etappe nach Aachen zu machen. Gegenteiliger können Routen nicht sein. Die 1. Möglichkeit hieße früh aufstehen und Streß, die 2. Fahrt wäre dagegen fast Entspannt ja vielleicht sogar gemütlich und ich könnte etwas länger schlafen. Am nächsten Morgen habe ich erst einmal ausgiebig gefrühstückt. Danach habe ich mit dem Rad eine Stadtbesichtigung gemacht, um mich dann in Richtung A13 bzw. E34 zu begeben. Ich wollte nur raus aus Belgien. So schnell wie möglich zur Grenze. Der Sonnenschein war weg, die Wärme war weg, es war nur noch kühl und regnerisch. Waren es am Vortag hauptsächlich PKW die mich überholten, so waren es jetzt fast ausnahmslos LKWs. Das war wirklich unangenehm, vor allen wenn die Lastwagen extrem knapp an mir vorbei fuhren. Oft genug spürte ich den Luftzug der Reifen. Das erforderte volle Konzentration. Da durfte ich mir keine falsche Regung erlauben. Kein Hin und Her rutschen auf dem Sattel, keine Gedanken, keine Tempowechsel. Denn auf der anderen Seite meines Fahrweges befand sich eine Abwasserrinne. Da half nur eines: So schnell wie möglich fahren. Meine Fahrt wurde zu einer persönlichen Bestfahrt. Nachdem ich einmal eine Anhöhe überfahren hatte,  konnte ich nicht anders und habe voll in die Pedalen getreten. 50 km/h zeigte mein Tacho kurzfristig an. Ich habe mich dann, für mich heute unverständlich, bei Tempo 30 gehalten. Endlich hatte ich den Grenzübergang erreicht. Auf belgischer Seite fuhr ich, wie gewohnt, auf der Straße. Kaum hatte ich die Niederlande erreicht, bekam ich wieder meinen gepflegten Fahrradweg. Endlich hatte ich mal ein Land auf herkömmliche Art und Weise verlassen bzw. betreten. Es dauerte nicht lange und ich war am Ziel angelangt. Davon gibt es nächste Woche mehr zu berichten. Denn nun lag meine Traum Etappe vor mir. Das konnte ich zu dem Zeitpunkt allerdings noch nicht wissen. Ich wußte nur eines. Ich war der Fahrrad-Hölle gesund entkommen