Archiv für den Monat: Juli 2010

Finale

Am Sonntag verließ ich Aachen und machte mich auf den Weg nach Bremen. Schon nach wenigen Kilometern, merkte ich das es schwer zu fahren wird. Die Luft war raus. Im Grunde genommen hatte ich alles gesehen und ein schönes Wochenende hinter mir. Was nun vor mir lag war stupide Fahrerei. Einfach die Kilometer abradeln bis zur nächsten Übernachtungsmöglichkeit. Aachen – Roermond war meine 1. Schluß Etappe. Die 2. Etappe habe ich etwas umständlich gestaltet indem ich über Eindhoven nach Hertogenbosch gefahren bin um am Ende in Nimwegen zu übernachten. Obwohl es ein Umweg von mindestens 50 Kilometer war,  hatte ich wenigstens eine, mir noch, unbekannte Stadt auf meiner Fahrt passiert. 

Eigentlich wollte ich wieder in Arnheim übernachten, aber als ich in Nimwegen an einen Blumenladen vorbei fuhr konnte ich nicht anders. Ich habe meiner Frau über Fleurop Blumen zu schicken lassen. Denn das was sie vollbracht hatte  war in meinen Augen genauso viel wert wie meine Leistung. Zum einen hat sie mich bei den Planungen für meine Tour unterstützt und mir nicht einmal den Vorwurf gemacht, das ich sie so lange Zeit alleine lasse. Zum anderen hat sie die Zeit genutzt um die komplette Wohnung zu streichen. Heizkörper, Wände und auch Türen wurden allesamt neu angestrichen, genau so wie es Profis gemacht hätten. Es war Schwerstarbeit die sie verrichtet hat.

Nach meiner Blumenbestellung hatte ich keine Lust mehr auf weitere Kilometer und so blieb ich vor Ort.  Am Tag darauf führte mich mein Weg über Apeldorn nach Enschede und weiter nach Nordhorn. Nordhorn – Cloppenburg – Langwedel das war meine letzte Etappe. Dabei hatte ich mich in der Zeit total verkalkuliert. Eigentlich wollte ich noch bei Freunden grillen um dann am nächsten Tag ausgeruht nach Bremen zu fahren. Aber Pläne schmieden ist die eine Sache, sie auch um zu setzen eine andere. Ich kam erst um 23.00 Uhr dort an und wollte nur noch schlafen. Das Grillen fiel angesichts der Uhrzeit sowieso aus. Die Schluß Etappe verlief dann wirklich wie geplant.

Änderung

Kleine Änderung. Das war schon 2x Gesundheit diese Woche. Da ich nach einen 3. Teil immer noch nicht fertig bin, kann ich diese Fortsetzungsgeschichte beruhigt auf die Zeit nach meinen Urlaub verschieben. Denn ab nächste Woche Montag habe ich 3 Wochen Urlaub. Wahrscheinlich werde ich dem Blog auch eine Pause gönnen.

Heute fand bei mir auch eine Änderung statt. Dadurch, das eine Studendische Hilfskraft, für die Aufsicht der Bibliothek, (von 15.00 Uhr bis 18.00 Uhr) ausgefallen ist, mußte meine Kollege die letzten Tage bis 18.00 Uhr bleiben. Damit er nicht die ganze Woche so lange arbeiten muß, habe ich meine Arbeitszeit heute so geändert, das ich von 12 -18.00 Uhr arbeite. Das war Anfang der Woche nicht geplant.

Aber es hat auch etwas gutes. Morgen werde ich wissen wie belastbar ich bin. Für eine Bekannte bin ich gestern etliche Kilometer durch die Stadt gefahren um ihr einen Gefallen zu erweisen. Danach bin ich gleich in den Garten um anschließend meinen Teich fast fertig aus zu heben. Und Heute diese ungewohnte Belastung. Wenn ich Morgen bzw. Freitag nicht ganz geschafft bin, weiß ich das ich in Ausnahmefällen extrem belastbar sein kann.

Dieses Wissen, dieses Gefühl ist Gold wert. Denn ich kann vieles ruhiger und gelassener angehen, und das gibt mir ein Gefühl der Stärke. Es ist also nicht verkehrt sich immer wieder aufs Neue zu fordern. 

Neu

Auch wenn ich einige der nächsten Zeilen schon geschrieben habe, ich kann es, zum besseren Verständnis, nicht oft genug wiederholen. Immerhin gibt es jährlich unzählige Unfallopfer, die mit einenmal vor einen neuen Leben stehen. Und keiner davon wäre im Vorfeld auf die Idee gekommen, das es auch ihn treffen könnte.

So ähnlich erging es mir damals. Fußballprofi wollte ich werden. Die Schule habe ich nur als Spaß angesehen. Nun lag ich da! Kopf verbunden, konnte nicht gehen, nur auf einer Seite fühlen, war kaum belastbar und das Reden und Denken fiel noch schwer. Relativ schnell wurde mir klar, das mein Leben wieder neu, wieder von vorne anfängt. Ein Geistesblitz war mein Glück. Nach kurzer Zeit sagte ich mir:

Dann mußt du eben alles anders machen, du mußt dir neue Ziele setzen, du mußt deinen Kopf einsetzen, du mußt versuchen geistig zu arbeiten!  

Das war natürlich leichter gesagt als getan. Aber ich hatte nur noch ein Ziel. Den Blick nach vorne für ein anderes Leben. Da gab es kein Bedauern über meine mißliche Situation, da gab es nur den Blick in eine bessere Zukunft. Ich wollte keine Zeit, keine Kraft mit nachtrauern verbringen. Sehr schnell war mir klar, das alte Leben kommt nicht zurück. Ich stehe vor einer Herausforderung. Es dauerte ein paar Wochen bis mir klar wurde, das es eine scheinbar unmögliche, ja sogar hoffnungslose Herausforderung war. Aber ich hatte immer nur einen Gedanken!

ICH WILL LEBEN!

Das und der damit verbundene Nachsatz, das kann doch nicht alles sein, ich bin doch gerettet worden, waren mein Antrieb: Und so beschloß ich zu kämpfen, zu kämpfen für ein Leben in Normalität, zu kämpfen um das Leben zu genießen.

Das ich diese Gedanken noch auf der Intensivstation hatte, ist für mich, aus heutiger Sicht, ein Wunder. Aber genau das ist es was man braucht. Die Bereitschaft sich sofort auf ein anderes Leben ein zu stellen. Ein Leben wie es nie geplant war.

Morgen werde ich weiter fort fahren



Hexenschuss

Samstag sollte mein Arbeitstag im Garten werden! Aber es kam alles ganz anders. Als ich im Bad stand spürte ich einen stechenden Schmerz in der Hüfte. Instinktiv habe ich eine Bewegung gemacht. Das war vielleicht mein Glück. Der Schmerz blieb im verlängerten Rücken. Er konzentrierte sich auf meine rechte Rückenseite. Ich konnte mich einigermaßen gut bewegen, aber meinen geplanten Tagesablauf mußte ich ändern. An Gartenarbeit war nicht mehr zu denken. Dieser kleine stechende Schmerz begleitete mich am Wochenende. Es war der Ansatz eines Hexenschusses.

Trotzdem bin ich heute zur Arbeit gegangen. Denn alles geht einmal vorüber. Deswegen Zuhause bleiben kommt für mich nicht in Frage. Da beiße ich mich durch. Wer hier schon aufgibt, wird bei richtigen Schwierigkeiten ernsthafte Probleme bekommen.

Noch eine kleine Vorschau: Morgen wird es die Fortsetzung von letzte Woche Dienstag geben und Freitag werde ich die Fahrradtour von 1993 beenden. 


 

Autofreie Innenstadt

1993 gab es in Lübeck, Erfurt  und Aachen  an bestimmten Tagen die Autofreie Innenstadt. Aachen wollte seinen Einwohnern wie Besuchern an jedem Samstag einen „Einkaufsbummel ohne Lärm und Abgase“ bieten. Seit Oktober 1991 war Aachens Innenstadt zwischen 10 und 15 Uhr gesperrt. Das war der Grund für meine Fahrradtour 1993. Ich wollte mich direkt in der Aachener City überzeugen, wie dieser Versuch angenommen wird. Da ich schon immer mal  Aachen sehen wollte, bot sich dieses Ziel geradezu an.

Mit diesen Gedanken kam ich Freitag Nachmittag an. Die Jugendherberge lag direkt in der Stadtmitte. Besser konnte es nicht gehen. Nachdem ich eingecheckt hatte habe ich mich erst einmal zu einer Stadtrundfahrt, mit meinen Rad, auf den Weg gemacht. Dabei wäre ich nach ein paar Metern beihnahe gestürzt. Als ich auf meinen  Rad mit der gewohnten Wucht losfahren will, schoss es richtig nach vorne los, genau auf die Abfahrt zu. In letzter Sekunde kam ich noch zum Stehen. Ich hatte eine Kleinigkeit übersehen. Mein Rad war frei von Gepäck. Es fehlten also gut 20 Kilo Gewicht. Das merkte ich ganz deutlich bei meiner Geschwindigkeit. Ich flog praktisch durch die Strassen. Dadurch das es aber immer wieder kurze steile Anstiege gab, hielt sich mein Geschwindigkeitsrausch ungewollt in Grenzen. Dann war es soweit.

Bremen hat schon einen schönen Marktplatz, aber dieses Ensemble aus Historischen Gebäuden, Denkmälern und dem Platz in seiner Größe.  Der Karlsbrunnen oder das Denkmal von Karl dem Großen, dieser wunderschöne Platz mit seinen gut erhaltenen Häusern  mit dem Dom als Schwerpunkt, das hatte schon etwas beeindruckendes.  Ich habe mich dort gerne aufgehalten und so manches Getränk zu mir genommen.

Am Samstag war es soweit.  Eine Innenstadt ohne Autoverkehr. Das war ein voller Erfolg. Es war ungewohnt aber gut. Den meisten Passanten schien es zu gefallen. Die Strassen waren voll.  Das waren Eindrücke die ich bestimmt in Bremen verwenden könnte. So habe ich zumindest gedacht. Für mich war das natürlich wie im Paradies. Mitten auf der Strasse fahren, ohne Rücksicht auf Autofahrer nehmen zu müssen. Im Verlauf des Nachmittags bin ich allerdings zum Fußgänger geworden.

Später konnte ich mich endlich mal um meine Wäsche kümmern. Am Freitag Abend hatte ich schon viele meiner Sachen auf meine Art und Weise gewaschen. Denn ich hatte alles so berechnet das meine Wäsche bis Aachen reichen würde. (Nur die  Fahrradhemden mussten alle 2 Tage gewaschen werden). Nun waren sie trocken und ich konnte die Heizungen oder Bettpfosten von meinen Sachen befreien und alles wieder in meine Satteltaschen verstauen. Endlich mal in Ruhe alles Revue passieren lassen. Am Sonntag sollte es über Holland nach Hause gehen. Alternativ hätte ich auch mit dem Zug fahren können. Aber ich war mit dem Rad gekommen, also wollte ich auch mit dem Rad zurück fahren. Genau so wie ich es bei meiner ersten Radtour 1989 durch Schleswig Holstein gemacht hatte.

Alles mit der Kraft der Beine

Realität

Heute wäre der optimale Tag, weil es keine besonderen Vorkommnisse gibt, um irgendwelche Philosophien von mir zu geben. Worte zu denen ich keinen Bezug hätte. Einfach so dahin geschrieben damit hier etwas steht. Vielleicht auch mal was erfundenes, vielleicht auch nur meinen Fantasien freien Lauf lassen. Auf jedenfall nichts was mit der Realität in Einklang zu bringen ist.

Aber, genau das wird es nicht geben. Stehe zu dem was du machst. Dieses Prinzip gilt für mich. Es ist nicht immer leicht der Wahrheit ins Gesicht zu sehen. Sie kann recht schmerzhaft sein. Oder dem Partner das Wort gönnen, auch die Bereitschaft zeigen unangenehmes auszusprechen. Es hilft aber nichts, irgendwann kommt der Punkt da muß man sich den Realitäten stellen.  Da lieber gleich der Wahrheit ins Gesicht sehen und sich unnötige Zeitverluste ersparen. Warum ich das heute schreibe?

Gestern hatte ich für mich die Erkenntnis gewonnen, das ich doch den Teich, ohne Hilfe, fertig stellen möchte. Eine Nacht habe ich überlegt wie ich es sage, ob ich es überhaupt sage? Die ganze Zeit hatte ich Sorge, das ich meine Frau damit verärgern könnte. Heute morgen habe ich den Mut gehabt und es ausgesprochen. Und? Die Reaktion war so gut, so verständnisvoll,das ich mich schon richtig über die vergeudete Nacht geärgert habe.

Gleichgewicht

Gestern war ich nicht mehr in der Lage etwas zu schreiben. Das ausheben der Erde für den Teich kostet schon Kraft.

Aber genau das ist es was ich brauche. Dieses Gefühl etwas produktives zu tun, sich einer Herausforderung zu stellen. Obwohl? Ganz allein mache ich es nicht mehr. Meine Frau hilft mir. Was bringt es mir wenn ich nachher sagen kann, das ich alles allein gemacht habe, der Preis dafür aber wochenlange Schmerzen sind.

Als ich gerade beim graben der Erde war, kam ich ins straucheln. Je tiefer ich kam umso schwieriger wurde es die richtige Balance zu finden. Ich fühlte mich schon zurückversetzt in die Zeit als ich wieder Laufen lernen musste, oder als ich das Balancegefühl fürs Fahrradfahren lernen mußte.

Das war auch eine verrückte Situation, damals. Von einen auf den anderen Moment, konnte ich mich nicht mehr richtig bewegen. Die Feinabstimmung war weg. Da half es auch nicht wenn ich mir vorgenommen hatte 10 Meter gehen zu wollen. Die komplette Motorik war defekt. Es gab keine kontrollierten Bewegungsabläufe mehr. Zum Glück war das Gehirn intakt. Es war zwar nicht optimal, aber das Wahrnehmungsverhalten war unbeschädigt. (Nächste Woche werde ich darauf intensiver eingehen)

Diese oder ähnliche Situationen gibt es täglich mehrfach in Deutschland.Wie man damit fertig werden kann, da gibt es die verschiedensten Wege und Lösungen. Ich werde nächste Woche darauf intensiver eingehen und versuchen damit aufzuzeigen, das man nicht allein ist und aufgeben der schlechteste Weg ist.

Lousberg

So früh, noch vor 12 Uhr, wollte ich nicht in Aachen sein. Während ich mir das so dachte kam ich schon an die Grenze. Auf der Niederländischen Seite nahm man kaum Notiz von mir. Endlich! am Deutschen Grenzübergang fand ich Beachtung. Aber außer einen netten Lächeln war es dann doch nichts. Die Zeit der Zollkontrollen war wohl vorbei.

Wenn ich in meinen normalen Tempo(Durchschnittlich 18 Kilometer die Stunde) weiterfahren würde, wäre ich schon um 11.00 Uhr in Aachen. Nach ein paar Kilometern sah ich einen Berg, mitten in der Landschaft. Anfangs wirkte er garnicht so hoch. Vielleicht 100 Meter, dachte ich. Doch je näher ich kam umso größer wurde er. Am Schluß war er, gefühlt, 400 Meter hoch.

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Es war der Lousberg, ein Bergrücken, der nördlich von Aachen liegt und 264 Meter hoch ist. Das ist es! dachte ich mir. Jetzt konnte ich gleich meine Erkenntnisse vom Vortag ausprobieren. Nichts ist unmöglich, alles ist machbar. Du mußt Dich nur auf dein vorgenommes Ziel konzentrieren. 

Unten am Berg angekommen, war ich doch ein wenig am Zweifeln. Inzwischen wirkte er noch höher.  Ich habe mich trotzdem nicht von meinen Plan abbringen lassen und bin die Bergumrundungen angefahren. Es war ja auch herrlich. Eine schöne asphaltierte Straße umschlungen von lauter Bäumen. Der Himmel war gerade noch zu erkennen. Der Anfang war leicht und ich war mir sicher das alles gut gehen würde. Je höher ich kam, je enger die Serpentinen wurden, umso mehr Schwierigkeiten bekam ich. Solange die Straße noch weit um den Berg herum führte war alles gut. Die Steigung war zu dem Zeitpunkt auch noch zu verkraften , aber spätestens nach der 3. Umrundung fand ich meine Idee nicht mehr so lustig. Zu allen Überfluss kam noch Rollsplitt auf mich zu. Anfangs war es nur ein wenig, je höher es ging umso mehr lag dieser nervige Schotter oder auch Splitt auf der Strasse. Wahrscheinlich sollte das den Geschwindigkeitsrausch der Autofahrer in Grenzen halten. Inzwischen fuhr ich nur noch im 1. Gang und jedesmal wenn es mir möglich war versuchte ich Schwung zu holen, indem ich die rechte Schulter nach hinten drehte um dann mit meiner ganzen Kraft den Körper bzw. die rechte Körperhälfte, nach vorne zu stoßen in der Hoffnung dem Rad einen Schub zu geben. Das kostete viel Kraft und ging auch in den Arm und mein Handgelenk. Mehr als 5 Meter kamen dabei nicht heraus, denn es ging leider gleichmäßig aufwärts. Es gab keine Möglichkeit der Erholung.  So langsam gingen die Kräfte verloren. Bis zur vorletzten Kehre habe ich mich so durchgekämpft, dann habe ich aufgegeben und die letzten Meter geschoben bis ich ganz oben war.

Obwohl ich verloren hatte, weil ich es nicht ganz bis zur Spitze im Fahren geschafft hatte, hatte ich das Gefühl gewonnen zu haben. Ich hatte es versucht und doch erkannt, das es Grenzen gibt. Um diese Grenzen zu überwinden muß man bereit sein zu anderen Mitteln zu greifen um ans Ziel zu gelangen. Ich war einfach abgestiegen, hatte geschoben und so mein Ziel erreicht.

Die Abfahrt wurde extrem gefährlich. Die Rutschgefahr wurde immer größer und es war nur eine Frage der Zeit wann ich stürze. Es ging nicht anders – ich bin einige Male abgestiegen. Es war zu gefährlich, mein Leben wollte ich doch nicht aufs Spiel setzen. Gegen 15 Uhr war ich endlich in Aachen.

Nächste Woche geht es weiter