Archiv für den Monat: September 2010

ICE

Es ist Mittwoch. Der Tag bevor meine Frau für fast 3 Wochen in den Schwarzwald fährt. Deswegen bin ich heute nur für Sie da. Sie fährt übrigens nicht mehr mit dem ICE sondern mit dem IC, dadurch kommt sie pünktlich, ja vielleicht sogar schneller an.

Wenn heute nicht noch etwas besonderes passiert bleibt es bei diesen Zeilen

Google

Gestern hatte Google seinen 12. Geburtstag. Es ist eine Erfolgsgeschichte an die damals kaum jemand gedacht hat. Wie konnte es dazu kommen? Es gab eine Menge von Suchmaschinen. Allen voran Yahoo. In Deutschland waren es noch fireball und Web.de dazu MetaGer als gute Alternativen. Weltweit kamen noch etliche dazu. Den Löwenanteil konnte Yahoo für sich verbuchen. Der Netscape Navigator war zwar schnell, hatte aber nur Lückenhafte Informationen. Yahoo hatte die besten Suchergebnisse. Aber sie waren langsam. Anfang 99 erzählte mir ein Freund von einer Suchmaschine mit einen merkwürdigen Namen, die ganz anders war. Es war fast wie eine Revolution. Während die Althergebrachten Suchdienste sich auf ihren Lorbeeren ausgeruht hatten und das Feld einigermaßen gut unter sich aufgeteilt hatten, kam jetzt eine völlig andere Suchmaschine, ohne Werbung, enorm schnell und mit einer sensationellen Trefferquote daher.

Diese Geschichte kann ich problemlos aufs normale Leben übertragen. Wer sich nur auf das bisher erreichte ausruht und sich nicht ständig weiter entwickeln will, der gerät ins Hintertreffen(um es mal moderat zu sagen) Diesen logischen Abwärtstrend kann man nur mit viel Mühe und Anstrengung stoppen. Statt dessen ist es viel besser ständig mit der Zeit zu gehen und immer nach Verbesserung zu streben. (Auch mit 96 Jahren war es noch das tägliche Bestreben meiner Großmutter)

Der Fall Google zeigt aber auch wie wichtig es ist Ziele zu haben, wie wichtig es ist felsenfest an die eigenen Vorhaben zu glauben und wie wichtig und auch richtig es ist sich nicht von seinen Weg abbringen zu lassen. Bill Gates wurde belächelt, die Macher von Google wurden belächelt. Aber sie haben an sich und den Erfolg geglaubt. Genauso habe ich daran geglaubt, das ich wieder ein Normales Leben führen kann. Wofür ich allerdings oft belächelt worden bin.

Und das was ich kann, das kann jeder für sich auch schaffen.

HSV

Am Samstag spielte der HSV in Bremen gegen Werder. Die Fans des HSV gehören zu den wildesten der Liga und das zieht jedes mal ein großes Polizeiaufgebot nach sich. Das war diesmal auch der Fall. Als wir vor dem Stadion waren, war die Ansammlung kampfbereiter Polizei so groß das wir Mühe hatten voran zu kommen.

„Der ist Betrunken“ hörte ich zu meiner rechten. „Der“ dachte ich wird gleich aus dem Verkehr gezogen. Der Gedanke war noch nicht zu Ende, da hörte ich schon von einer anderen Stimme, links neben mir, „Der ist Behindert“ Jetzt drehte ich mich schnell nach links und dann rechts um und sah keinen der Gehandicapt war. Ich erkannte sah einen jungen und älteren Polizisten. „Vielleicht meinen die ja mich?“ dachte ich. Innerlich zuckte ich zusammen, war betroffen, war wütend, war verletzt und ich wußte nicht was ich denken sollte. Nach einigen Sekunden hatte ich mich wieder im Griff. Jetzt war ich stolz. Ganz einfach, weil es nicht jeder sofort erkennt das ich Beeinträchtigt bin.

Früher hätte mich so eine Situation verunsichert. Nervosität, Selbstzweifel, Anfall! Das war die typische Reihenfolge in ähnlichen Fällen. Heute ist das besser. Ich weiß wer ich bin, ich weiß das ich mich korrekt verhalte, ich weiß das ich mich nicht verstecken muß. Während ich früher vieles negativ ausgelegt habe, sehe ich inzwischen nur noch die positiven Seiten bzw. finde Positives. So chaotisch das ganze Drumherum bei diesen Fußballspiel auch war, ich werde diese amüsante Szene immer in guter Erinnerung behalten.

Es ist fast so wie bei meinen eigen Sport. Vor kurzen wurde ich zusammen gestaucht beim Fußball. Ich wurde mit Vorwürfen überhäuft. Anstatt verzweifelt zu sein, war ich stolz auf mich. Ich Nach ein paar Minuten entschuldigte sich mein Mitspieler. Er hatte ganz vergessen, das ich gehandicapt bin.

Anstatt verunsichert zu sein,  sollte man sich in solchen Fällen auf die eigenen Stärken besinnen und über das bisher erreichte froh sein. Wenn man nicht mehr mitleidig betrachtet wird, stattdessen  sich mit Forderungen konfrontiert sieht, dann hat man viel erreicht.

Fußball-2

Ich habe wieder zwei Seiten erlebt am Donnerstag. Dabei wurde mir klar, wie wichtig die Hilfe von Freunden ist.  Im 1. Spiel hatte ich jemanden in der Mannschaft der fast alles allein machen wollte. Er hat nur im Notfall die Nähe zu seinen Mitspielern gesucht. Ansonsten war es eine „one men Show“ Gut er läuft sehr schnell und schießt auch sehr stark. aber das allein reicht nicht aus. Im 2. Spiel wurde innerhalb der Mannschaft das gemeinsame Spiel gepflegt. Jeder war für jeden da. und es gab auch keine allzu großen Alleingänge.

Während ich am Anfang ohne Bedeutung herum gelaufen bin, wurde ich im 2. Spiel mit eingebunden und war auch erfolgreicher. Mein Fazit vom Donnerstag: Allein hast du wenig Chancen, mit Freunden die dir zur Seite stehen, ist alles viel leichter.

Die Alpen

Theorie kann ja so schön sein. Nur kann es nicht schaden, wenn man die geplanten Aktivitäten auch mal realistisch betrachtet. Man muß sich ja nicht wie Stadtplaner oder Politiker verhalten. Nun war ich im Gedanken nach Finnland gefahren. Aber wie war das mit dem Wetter?  Mein Arbeitskollege, ein Finnland Experte sagte mir das Wetter wäre gut, einzig wegen der Mückenplage die es jeden Sommer gibt, kann er es nicht empfehlen dort hin zu fahren. Außerdem würde es mit Übernachtungsmöglichkeiten noch nicht so gut sein. Am Schluß fiel mir noch eine nicht ganz unbedeutende Kleinigkeit ein. das Geld! So eine Fahrt kostet nicht wenig. Bei fast 2.500 Kilometern, Fährverbindungen und Kosten für die Rückfahrt per Bahn oder Schiff, da kam einiges zusammen. Vielleicht sollte ich vorher im Lotto gewinnen. Das wichtigste hatte ich ja noch nicht einmal bedacht. Was würde meine Frau dazu sagen?

Das wars dann wohl. Wie eine Seifenblase war der Traum zerplatzt.. für ein paar Monate zumindest, dann bekam ich von meiner Frau ein Buch zum Geburtstag geschenkt. „Mit dem Rad über die Alpen – Klassiker für Fahrradfahrer“ Jetzt war es wieder um mich geschehen. In den darauf folgenden Wochen wurden ich zur Leseratte. Es sind 22 Touren über bzw. durch die Alpen mit Höhenunterschieden, Steigungen, und alles was dazu gehört beschrieben. Ungefähr 8 Touren konnte ich gebrauchen. Aber wenn ich die Alpen passiert haben sollte, wohin dann fahren?

Heute ist der Bericht etwas kurz geraten, dafür wird er nächste Woche umso länger und interessanter.

Rechtschreibung

Ergänzend zu Gestern, kann ich nur sagen, das ich damals wirklich Glück hatte. Und wenn es auch gut für mich ausging, so ist es kein Patentrezept das ich ständig anwenden kann. Denn es hat auch Nebenwirkungen. Danach bin ich so erschöpft, das ich vieles garnicht mehr wahrnehme. Damals waren es sogar einige Tage, die mir Gedächnismäßig verloren gegangen sind.

Am Montag war ich nur etwas geschwächt. Als ich später den Blog schreiben wollte kam ich wieder ständig mit der Groß- und Kleinschreibung durcheinander. Es nervt manchmal, weil ich oft auf die Feststelltaste und nicht auf die Shift taste drücke, das führt oft dazu das ich vergesse sie wieder auf normal zu stellen. (Die hälfte der Tastatur ist für mich mit einer Hand gut erreichbar, beim Rest wird es schwieriger) Darum habe ich mir gesagt, das es eigentlich egal ist. Wir haben schon wieder eine neue Rechtschreibreform, es verändert sich ständig etwas, ich schreibe dann eben größtenteils klein. Dann brauche ich weder die Shift noch die Feststelltaste drücken.

Denn entscheidend sind die inhalte dieses Blogs.

Gedanken40

Der gestrige Tag war ein Tag mit Höhen und Tiefen.

Eigentlich wollten wir schon um 10.00 Uhr frühstücken gehen.  Aber mit einmal ging es mir überhaupt nicht gut. Wenn ich gehen wollte lief ich wie ein Betrunkener durch die Wohnung und war froh das ich mich überall festhalten konnte um mich wieder schnell zu setzen. Diese Minuten waren heftig. Mein Kopf konnte Befehle an den Körper senden wie er wollte, es half nichts. Die Beine knickten fast ein oder mir wurde schwindelig das ich mich kaum noch halten konnte. Dazu surrte es in meinen Kopf. Meine Frau wollte zuhause bleiben. Genau das wollte ich aber nicht. Ich wollte mir den Tag nicht vermiesen lassen, darum habe ich versucht mich anzustrengen, ich habe versucht dagegen zu halten. Das geht natürlich nicht immer aber wenn es klappt ist es umso schöner. So wie damals..

Es war Mitte der 70er, aber welches Jahr weiß ich nicht mehr genau. Es war an der Nordsee und wir(ein Teil unserer Jugendgruppe) hatten die aufkommende Flut unterschätzt und nun war das Meer zwischen uns und dem Land. Also schwammen wir los. Das hört sich leichter an wie es war. Der Weg wurde immer länger und das Wasser war auch nicht so ruhig wie im Hallenbad. Mitten auf der Strecke bekam ich einen Epileptischen Anfall. Das fiel keinen meiner Freunde auf, weil ich sowieso immer sehr tief (nur mein Haaransatz ist zu sehen)schwimme und zudem auch letzter war.

Ich habe diese Szene noch ganz genau vor Augen. Es ist gerade angenehm zu schwimmen, weil nur ganz leichte, kaum wahrnehmbare Wellen sind. Urplötzlich habe ich diesen Anfall. Einen Jackson Anfall, wie ich sie ausschließlich habe. Meine rechte Hand ist für eine Sekunde regungslos, dann beginnt das linke Bein zu zucken und der rechte Arm läßt auch nur eine Zehntelsekunde auf sich warten, ehe er mit aller Macht anfängt sich zu verkrampfen. Instinktiv habe ich versucht den Arm zu halten, so wie ich es immer mache, doch das war keine gute Idee. Sofort fing ich an zu sinken. Ich weiß nicht ob es 1 Meter oder sogar 2 Meter waren die ich gesunken war, aber ich weiß genau was mir durch den Kopf ging. Es ist so wahnsinnig viel was einen in diesen Milisekunden durch den Kopf schießt, im Grunde genommen ist es kaum vorstellbar. Ich sah durch das, vom Sonnenschein erhellte Wasser, nach oben und und dachte: Soll es das gewesen sein? War das alles?  Während dessen sank ich immer ein wenig tiefer.

NEIN! So nicht, sagte ich mir. Und zum ersten Mal in meinen Leben versuchte ich mich gegen einen Anfall zu stemmen.  Natürlich ist das nicht gesund und auch nicht immer machbar, doch ich hatte keine andere Wahl. Die Kräfte die ein Anfall erzeugt sind enorm. Aber meine Gegenreaktion war stärker. Ich habe es geschafft diesen Anfall zu unterdrücken. Es war mir gelungen. Seit diesen Tag weiß ich das ich dazu in der Lage bin. Ich weiß das ich mich mit Willenskraft einiges erreichen kann.

Genau daran habe ich mich gestern erinnert und meinen Tag, mein Programm durchgezogen. Auch wenn es nicht immer optimal verlief, weil ich nicht immer 100% fit war und das ein odere Mal noch ein kleiner Anfall kam, ich hatte einen schönen Tag


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Heute ist mein Geburtstag.

So wie ich heute fühle, so ergeht es bestimmt vielen anderen Behinderten auch. Jeder Jahrestag ist etwas besonderes. Vor allen für diejenigen, denen es gelungen ist Ärztlichen Prognosen zu trotzen indem sie immer noch da sind. Sie haben an sich geglaubt, sie waren bereit sich zu quälen, sie haben immer Positiv gedacht. Das ist wahrscheinlich die Medizin für ein längeres Leben.


Fußball-Bericht

Am Donnerstag hatte ich beides. Erst habe ich klar und deutlich verloren und dabei ein schlechtes Spiel geliefert. Keine Bindung zur Mannschaft, kaum Laufbereitschaft – es war alles schlecht bei mir. Beim zweiten Spiel wurden die Mannschaften neu gemischt und bei mir war genau das Gegenteil vom 1. Spiel, der Fall. Ich bin gelaufen, habe gekämpft und endlich auch geschwitzt, gewonnen und sogar 4 Tore geschossen. Das alles ohne Verletzung oder Problemen mit der Kondition.