Gedanken40

Der gestrige Tag war ein Tag mit Höhen und Tiefen.

Eigentlich wollten wir schon um 10.00 Uhr frühstücken gehen.  Aber mit einmal ging es mir überhaupt nicht gut. Wenn ich gehen wollte lief ich wie ein Betrunkener durch die Wohnung und war froh das ich mich überall festhalten konnte um mich wieder schnell zu setzen. Diese Minuten waren heftig. Mein Kopf konnte Befehle an den Körper senden wie er wollte, es half nichts. Die Beine knickten fast ein oder mir wurde schwindelig das ich mich kaum noch halten konnte. Dazu surrte es in meinen Kopf. Meine Frau wollte zuhause bleiben. Genau das wollte ich aber nicht. Ich wollte mir den Tag nicht vermiesen lassen, darum habe ich versucht mich anzustrengen, ich habe versucht dagegen zu halten. Das geht natürlich nicht immer aber wenn es klappt ist es umso schöner. So wie damals..

Es war Mitte der 70er, aber welches Jahr weiß ich nicht mehr genau. Es war an der Nordsee und wir(ein Teil unserer Jugendgruppe) hatten die aufkommende Flut unterschätzt und nun war das Meer zwischen uns und dem Land. Also schwammen wir los. Das hört sich leichter an wie es war. Der Weg wurde immer länger und das Wasser war auch nicht so ruhig wie im Hallenbad. Mitten auf der Strecke bekam ich einen Epileptischen Anfall. Das fiel keinen meiner Freunde auf, weil ich sowieso immer sehr tief (nur mein Haaransatz ist zu sehen)schwimme und zudem auch letzter war.

Ich habe diese Szene noch ganz genau vor Augen. Es ist gerade angenehm zu schwimmen, weil nur ganz leichte, kaum wahrnehmbare Wellen sind. Urplötzlich habe ich diesen Anfall. Einen Jackson Anfall, wie ich sie ausschließlich habe. Meine rechte Hand ist für eine Sekunde regungslos, dann beginnt das linke Bein zu zucken und der rechte Arm läßt auch nur eine Zehntelsekunde auf sich warten, ehe er mit aller Macht anfängt sich zu verkrampfen. Instinktiv habe ich versucht den Arm zu halten, so wie ich es immer mache, doch das war keine gute Idee. Sofort fing ich an zu sinken. Ich weiß nicht ob es 1 Meter oder sogar 2 Meter waren die ich gesunken war, aber ich weiß genau was mir durch den Kopf ging. Es ist so wahnsinnig viel was einen in diesen Milisekunden durch den Kopf schießt, im Grunde genommen ist es kaum vorstellbar. Ich sah durch das, vom Sonnenschein erhellte Wasser, nach oben und und dachte: Soll es das gewesen sein? War das alles?  Während dessen sank ich immer ein wenig tiefer.

NEIN! So nicht, sagte ich mir. Und zum ersten Mal in meinen Leben versuchte ich mich gegen einen Anfall zu stemmen.  Natürlich ist das nicht gesund und auch nicht immer machbar, doch ich hatte keine andere Wahl. Die Kräfte die ein Anfall erzeugt sind enorm. Aber meine Gegenreaktion war stärker. Ich habe es geschafft diesen Anfall zu unterdrücken. Es war mir gelungen. Seit diesen Tag weiß ich das ich dazu in der Lage bin. Ich weiß das ich mich mit Willenskraft einiges erreichen kann.

Genau daran habe ich mich gestern erinnert und meinen Tag, mein Programm durchgezogen. Auch wenn es nicht immer optimal verlief, weil ich nicht immer 100% fit war und das ein odere Mal noch ein kleiner Anfall kam, ich hatte einen schönen Tag


Autor: Leander

Ich bin 52 Jahre.Lebe in Bremen und arbeite an der Uni Bremen. Seid 1983 bin ich verheiratet. Eigentlich ist alles ganz normal bei mir Aber dadurch das ich Schwerbehindert bin ist es nicht mehr ganz so normal. Meine Freizeit Aktivitäten sind Politik, Fußball, Sport und natürlich Computer bzw. Internet Dazu kommt unser Kleingarten Ich handel nach dem Motto: Genieße jeden Tag

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.