Archiv für den Monat: August 2011

Klage

Endlich ist der Knoten geplatzt. Inzwischen dürfte es jeden Leser aufgefallen sein, das ich mit dem Bericht über die Kreuzfahrt kaum vorankomme. Heute fiel mir der entscheidende Teil ein. Jetzt bin ich froh das ich auf mein Bauchgefühl gehört habe.

Es hat lange gedauert bis ich wußte was fehlt, das Gefühl der inneren Blockade ist verschwunden. Jetzt wird es ein guter Bericht. Ich muß es nur noch so formulieren, das die AIDA Cruises mich nicht verklagen kann. Auch wenn ich es mir schlecht vorstellen kann, der ein oder andere wird in der Reederei vielleicht darüber nachdenken wenn er die nächsten 2 Berichte gelesen hat.

Ich hätte nichts dagegen. Denn eines sollte man im Leben nie haben. Angst vor „Grossen Tieren“.

30. August 2011

So langsam verarbeite ich die letzte Woche. Es ist ja nicht so das eine Leere wirklich angenehm ist. Im Grunde genommen fühle ich mich wieder einmal bestätigt, wenn ich darauf hinweise wie wichtig, wie entscheidend Feinheiten sein können. Nichts anderes spielt sich in unseren Gehirn ab. Es geht immer nur um Nuancen.

Aber weiter habe ich keine Lust mich damit zu beschäftigen, ich kann ja nichts daran ändern.

Heute morgen war ich mir noch etwas unsicher, wie es mir  im Laufe des Tages ergehen wird, wie meine Verfassung sein wird. Bevor ich Zeit zum Grübeln oder pessimistisch Denken hatte, habe ich mir gesagt:

„Heute hat Dein Vater Geburtstag, also ist es ein guter Tag, sei fröhlich und zufrieden!“  Als ich mit dem Rad zur Arbeit fuhr ergänzte ich das noch ein wenig.

„Was willst Du mehr? Du kannst doch nur glücklich sein! Du kannst Sehen, du kannst Hören, du kannst Laufen, du kannst dich bewegen, dein Gedächtnis ist in Ordnung, du bist nicht auf fremde Hilfe angewiesen, du hast eine Arbeit, …“

und so ging das noch eine Weile weiter. Depressive Phasen haben bei mir so schnell keine Chance, im Gegenteil, ich kann die letzte Woche problemlos verarbeiten und mich beruhigt auf weitere, ähnlich gelagerte, Wochen einstellen. Ganz nach dem Motto, wie es eine gute Freundin von uns mal sagte:

„Ist halt so, da kann mann nichts machen. Das Leben geht weiter!“

Dimensionen

Die größte Schwierigkeit sind für mich Berichte mit problematischen  Hintergrund.  Da dieser Blog hauptsächlich für Betroffene gedacht ist, sind aber gerade diese Berichte hilfreich, und zwar für alle Leser. Die einen um zu verstehen, die anderen um verstehen zu lernen.

In der letzten Woche ging es mir körperlich und ganz gut, zumindest so das ich keinen Grund zum Klagen gehabt hätte und doch ging es mir schlecht. Diesen Widerspruch versuche ich verständlich zu machen, denn gerade Gleichgesinnte erleben das des öfteren.

Am Montag hatte ich eine Sitzung mit einer Gruppe von Geschäftsinhabern, Hausbesitzern und Maklern sowie einen Vertreter aus der Politik. Es ging um die Aufwertung unseres Viertels, vorrangig der Straße in der ich wohne. Alles was Geld und Einfluß hat, in dem Bereich, war vertreten. Da gab es nicht die üblichen Worthülsen, wie in der Politik.

Da ging es gleich richtig zur Sache. Da ging es nicht um bescheidene Summen, da ging es ganz schnell in Richtung Millionenbeträge. Während ich mich sonst erst einmal zurückhalte und alles genau beobachte, wurde ich diesmal sofort  ins Geschehen mit eingebunden. Dadurch hatte ich das Gefühl keinen Fehler machen zu dürfen, was dazu führte das ich so angespannt, wie schon lange nicht mehr, war. Mit Routine konnte ich nichts ausrichten, an dem Abend habe ich nur dazu gelernt. Es war so als ob ich in neue Dimensionen vorstoßen würde. Phasenweise glühte mein Kopf, es war so wie früher als ich ständig dazu gelernt habe, weil ich Neuland betreten haben habe. Damals hatte ich immer brutale Kopfschmerzen. Heute halten die sich in Grenzen, dafür bin ich umsomehr geschafft.

Am Mittwoch spürte ich die ersten Auswirkungen vom Montag. Da ich tags darauf aber die Betriebsfeier hatte, blieb die innere Anspannung bestehen, denn ich wollte einen guten Eindruck machen, bloß keinen Gesprächsstoff bieten oder negativ auffallen.

Die Folge dieser beiden Tage war eine unheimliche Leere in meinen Kopf. Ich wollte aktiv sein, konnte es jedoch nicht. Es ist schon seltsam, man möchte, man will, aber es geht nicht. Außer belanglosen Dingen war ich zu nichts in der Lage. Ich war richtig froh das es die online Spiele von Facebook gibt. Einfach spielen und nichts Denken.

Ich kann das nur vermeiden wenn ich auf all meine politischen Aktivitäten verzichte oder alles was mit extrem hoher geistiger Belastung verbunden ist, meide. Wer mich kennt, weiß das ich dann eingehen würde. Lieber habe ich solange eine innere Leere bis ich mich an die neue Dimension des Denkens gewöhnt habe.

Inzwischen habe ich mich erholt und habe wieder genügend Kräfte um zu schreiben, oder um andere Dinge zu erledigen.

Schön!!

Ach wie schön wäre es doch, wenn wir das angekündigte Wetter hätten. Trocken, Sonnenschein und 27 Grad. Leider trifft diese Voraussage nur für Süddeutschland zu. Regen – Sonne – Regen – dunkle Wolken und drückend, so ist die aktuelle Wetterlage in Bremen. Es ist zum Verzweifeln. 

HALT – STOP!!

Soll ich mir meine Gute Laune durch die Wetter Kapriolen verderben lassen? Soll ich deswegen genervt und unzufrieden den Tag verbringen? Soll ich deswegen depressiv werden?

Nein – das will ich nicht. Also habe ich nach einer Alternative gesucht und bin mit meiner Frau kurzerhand weg gefahren um etwas zu erledigen. Dabei haben wir uns noch eine Tasse Kaffee gegönnt und sind durch ein Einkaufscenter gebummelt. Das es während der Zeit mal wieder geregnet hat, störte uns nicht.

Am Ende des Tages war ich wieder einmal zu der Erkenntnis gekommen, das es jeder für sich in der Hand hat ob er ein zufriedenes oder anderes Leben führen möchte.

So unbedeutend dieses Erlebnis auch war, es zeigt aber das man aus jeder Situation etwas positives ziehen kann, das es immer eine Lösung gibt. Es ist nur eine Frage des Willens.

Grashüpfer

 Am Sonntag sah ich einen Grashüpfer bei uns im Garten. Das war wirklich etwas seltenes, denn so oft bekommt man die nicht mehr zu sehen. So ähnlich verhält es sich dieses Jahr mit dem Grillen. Das war dieses Jahr auch eine Seltenheit.

Donnerstag sagte mir mein Freund  das er am Samstag nicht in den Garten zum Lampionfest fahren würde. Damit war meine Freude auf einen Grillabend ungefähr bei Null angelangt, was bis Samstag Mittag anhielt. Da das Wetter aber endlich mal schön war habe ich mich bemüht über meinen Schatten zu springen. Ich habe nicht meinen Gefühlen freien Lauf gelassen um, Zuhause, gemütlich entspannen zu können. Ich habe mich gegen meine Bequemlichkeit gestemmt und bin mit meiner Frau in den Garten gefahren, denn wir hatten noch Fleisch, Würstchen, Saußen draußen. Kurzum alles was man für Spontangrillen braucht war vorhanden. Der Sieg von Werder war dann auch der richtige Motivationsschub, den ich noch brauchte. Als wir gegen 22.00 Uhr zurück gefahren sind, war ich richtig froh das ich mich gegen meine Trägheit gestemmt habe.

Den Grashüpfer hätte ich am Sonntag auf jedenfall nicht gesehen, da wir dann auch keinen Grund gehabt hätten hinaus zu fahren. So haben wir aber auch noch einen schönen Sonntag im Garten verbracht. Meine Lehre aus dem Wochenende ist klar und deutlich.

So wichtig es auch ist, das man entspannt, so schön und ideal dafür die eigenen 4 Wände sind, manchmal kann ein kleiner Ruck nicht schaden. Der Genuß, die Freude ist danach umso größer.

Fußball 26/11

Am späten Nachmittag Donnerstag hatten wir, wie jedes Jahr zur Grillfeier, eine Rekordbeteiligung. 13 Mann waren wir, was zur Folge hatte das ich kaum zur Entfaltung kommen konnte. Da ich im Zweikampf schwach bin brauche ich Freiräume, die waren aber nicht vorhanden, also habe ich einen großen Teil des Spiels im Tor verbracht.

4.Seetag – Kritik

Afrika lag nun hinter uns und wir fuhren Richtung Zielhafen, nach Mallorca. Der 4. Seetag lag vor uns. 

Am späten Nachmittag war noch einmal eine ausgiebige Schiffsbesichtigung angesagt. Das meiste hatten wir schon gesehen, aber es tat einfach gut noch einmal alles zu genießen. Wir besichtigten noch einmal alles ganz genau und sogen es förmlich auf. Ob es der ungeliebte Internetplatz (das Surfen war so unverschämt teuer, das die Plätze immer frei waren) bei der Rezeption war oder unser geliebtes Deck 12 mit seinen Liegemöglichkeiten. Mit dem Wetter hatten wir auch wieder Glück, und so genossen wir die Sonne noch einmal in vollen Zügen. Bei unseren Schiffsrundgang versuchte ich noch einmal den ein anderen Kritikpunkt, in punkto Barrierefreiheit, zu finden. Aber selbst der entlegenste Winkel konnte erreicht werden, sogar der FKK Bereich auf Deck 14 war für Rollstuhlfahrer erreichbar.

Während meine Frau die Koffer packte, konnte ich noch einmal die ganze Reise an mir vorbei ziehen lassen. Bis dahin war es ein Traum in 10 Tagen. Was sollte noch schiefgehen? Der 11. Tag würde sich bestimmt nahtlos aneinander reihen.  Diesmal nahm ich mir die Freiheit heraus, alles kritisch zu betrachten. Von den Ratschlägen des Masseurs im Wellnessbereich, das ich mir Massagen verschreiben lassen soll, bis zu den Abendprogrammen.

Angefangen habe ich meinen Rückblick mit den Kunstversteigerungen sowie der Dauerausstellung unbekannter Maler. Ich weiß nicht wer einige Tausend Euro mit sich herumträgt um diverse Objekte zu kaufen, das Angebot war auf jedenfall vorhanden.

Wie wär es mit einen T-Shirt als Andenken oder eine kleine AIDA für den Schrank? Kein Problem! Der Bordshop war groß genug und hatte auch einiges zu bieten. Einzige Voraussetzung: Bei den Preisen mußte man wegschauen. Einfach auf die Rechnung setzen lassen. Für ein simles T-Shirt mußte ich 39,00 Euro zahlen. Die Nachbildung der AIDA kostete etwas über 50,00 Euro. Da ich gedanklich schon bei den Kosten war kam ich sehr schnell zu der „All in“ Verpflegung. Bei unseren letzten Urlaub in Ägypten haben wir „All in“ genoßen, denn alle Alkoholfreien Getränke waren inbegriffen. Das war auf der AIDA ganz anders. Frühstück, Mittagessen, Kaffee und Abendbrot waren mit Ausnahme von Alkohol, All inclusive, oder auf Deutsch „alles inbegriffen“. Für die übrigen Zeiten mußten wir zahlen, wenn wir etwas trinken wollten. Da wir erst am Ende der Reise zahlen wollten, mußten wir sehr oft eine Quitung unterschreiben.

Das war mir schon gleich am 1. Tag unangenehm aufgefallen, da ich aber genießen wollte habe ich einfach darüber hinweg gesehen. So langsam kamen meine Gedanken richtig in Fahrt, aber davon erzähle ich nächste Woche mehr.

Gedanken 47

Gestern bin ich mal wieder kreuz und quer, mit dem Rad durch die Stadt gefahren. Am Ende kamen über 40 Km heraus. Das ich mich nach diesen ganzen Hin und Her Fahren noch so gut gefühlt habe, war ein schönes Gefühl. Da ich manchmal auch lange Streckenabschnitte dabei hatte, an denen ich nur geradeaus fahren brauchte, konnte ich meinen Gedanken freien Lauf lassen:

„Vor ein paar Jahren wäre das nicht möglich gewesen“ dachte ich mir. Wenn ich 4 oder 5 Jahre zurückdenke, mußte ich feststellen das ich ein ganz anderer Mensch war. Ängstlich, Verunsichert, mit der Tendenz zur Schwarzmalerei. Daraus ergab sich, das ich gesundheitlich ziemlich angeschlagen war und ich beinahe mit Fußball spielen aufgehört hätte. Meine körperliche Konstitution war nicht die beste. Eigentlich habe ich mich nur mit Durchhalteparolen durchgekämpft.

Ich zog mich durch meine Art und Weise zu Denken immer weiter in ein „Tal der Tränen“. Leider machte sich dieser Abwärtstrend bei mir in jeder Beziehung bemerkbar. Ich war einfach nicht in der Lage „Positiv Denken“ zu können. Ständig habe ich an alle negativen Möglichkeiten meines Lebens gedacht. Im Unterbewußtsein wußte ich das mein Verhalten falsch ist, nur konnte ich es nicht ändern.

Irgendwann konnte ich mir es zwar wieder einreden, „das alles gut wird“ Das war zwar schön, geholfen hat es leider nicht. Ich fing sogar schon an dieses Lebensmotto das ich mir immer wieder ins Gedächtnis rief, in Frage zu stellen. Und doch habe ich es mir immer wieder gepredigt, auch an den Tagen an denen es mir richtig schlecht ging.

Eines Tages konnte ich mein Wissen über das Gehirn richtig verarbeiten ohne dabei gleich wieder in das Denkschema der voran gegangen Jahre zu verfallen. Ich war mit einenmal in der Lage die Eigenheiten des Gehirns und deren Folgen zu erkennen. Ich wußte mit einenmal das mein Kopf seinen eigenen unerklärlichen Weg geht. Das Gehirn ist eines der letzten unerforschten Körperteile des Menschen. Wie soll ich es verstehen und erklären? Mit diesen Wissen ausgestattet, war mir klar, das ich auf das Gehirn, die Schaltzentrale des Menschen, nur bedingt Einfluß nehmen kann. Am besten ist es wenn ich mich vorbildlich, aus medizinischer Sicht verhalte.

Das war der entscheidende Punkt für mich auf dem Weg zur Besserung. Was genau der Grund ist und wie ich es geschafft habe das ich jetzt wieder so unbeschwert leben kann frage ich mich manchmal. Eine eindeutige Antwort kann ich nicht darauf geben. Es war ein Mix, der aus Zuversicht, Willenskraft und vielen anderen Faktoren besteht. Es ist halt so wie immer: Um erfolgreich zu sein, mußt du alles geben

Weisheiten XXXVI

Eine Erkenntnis die ich in vielen Jahren gewonnen habe ist das es immer wieder Menschen gibt, die so selbstverliebt sind das sie sich nicht einmal Mühe geben auf ihre Umwelt Rücksicht zu nehmen. Gerade für mich als Behinderten ist es schwer mit dieser Spezies zurecht zu kommen. Darum habe ich mir eine Weisheit zugrunde gelegt nach der ich auch meinen Freundeskreis ausgesucht habe.

Niemand sollte glauben, das er ein besserer Mensch ist. Jeder sollte versuchen ein besserer Mensch zu sein

Fußball 25/11

Heute würde es reichen wenn ich „Frust“ schreiben würde. Ich möchte ihn aber etwas abbauen, und dazu nutze ich einfach mal den Blog.

Es ging ganz gut los am Donnerstag. Ich bin gut und viel gelaufen, eigentlich war es nur eine Frage der Zeit bis ich ein Tor schießen würde. Doch dann kam alles ganz anders.

Unser Gegner hatte sich sein Team selber zusammen gestellt weil er in Unterzahl spielen mußte. (Wir waren nur 9) Schnell führten sie auch 4:1. Anstatt hektisch zu werden, blieben wir aber ruhig und spielten konzentriert weiter, was dazu führte das wir auf 4:5 heran kamen. Dann passierte das was ich bisher noch nie erlebt habe. Die gegnerische Mannschaft fing an zu schimpfen, wie ungerecht doch alles verteilt sei und führte immer wieder alle möglichen Argumente auf, denn sie spürten das sie evtl. das Spiel verlieren könnten. Und so legten sie ihren Schwerpunkt darauf alles in Frage zu stellen.

Anfangs hielt ich es noch für einen Scherz. Denn ausgerechnet diejenigen die immer erzählen(wenn sie siegreich waren)das es bei uns doch nur um Spaß, Schweiß, Gemeinschaft und Bewegung ginge legten dieses Verhalten an den Tag. Ich war über dieses törichte Verhalten so sprachlos, das ich einfach ruhig geblieben bin, was bei mir Alarmstufe Rot bedeutet. Von da an war bei meiner Mannschaft die Luft raus.

Wenn ich verliere gefällt mir das nicht, aber ich weiß in der nächsten Woche habe ich wieder eine Chance. Außerdem weiß ich das Verlieren zum Leben dazu gehört, ja das es sogar ein Bestandteil des Lebens ist. So gesehen nehme ich das auch immer wieder hin. Was ich aber überhaupt nicht gutheißen kann ist wenn ich jemanden gegenüber stehe der mit unlauteren Mitteln kämpft um als Sieger nach Hause zu gehen, dabei spielen wir weder um Punkte noch um Prämien.


p.s. Wie man sieht bin sogar Heute noch richtig sauer, umso mehr wundert es mich das ich so ruhig geblieben bin. Das ist eine positive Erkenntnis die ich aus dem gezogen habe.

In der Ruhe liegt die Kraft.

Vielleicht gelingt es mir ja jetzt endlich diesen Spruch umzusetzen