Archiv für den Tag: 13.3.2012

Gefühlsleben

Ausgerechnet heute habe ich mir vorgenommen etwas über die Gefühlswelten von Behinderten zu schreiben, an einen Tag wie diesen. Um 6.23 Uhr bin ich frohgelaunt aus dem Bett gesprungen um dann das morgendliche Prozedere zu erledigen. Da war nichts von Grübeln, nichts von Schwächephasen, da war alles optimal. Selbst als ich bei meinen 10-minütigen Fußmarsch zur Strassenbahn Rückenschmerzen bekam, habe ich positiv gedacht und nicht angefangen darüber nachzudenken wie es wäre wenn? 

Gestern wäre es leichter gewesen über das Thema zu schreiben. Da war ich oft zweifelnd und mir nicht sicher ob es richtig war schon wieder zur Arbeit zu fahren. Es war ein Tag an dem, nach außen hin, bei mir alles in Ordnung erschien, nur in meinen innerern da herrschte wieder Chaos. Ich hatte nicht die Kraft mich gegen das ein oder andere Zimperlein zur Wehr zu setzen. Obwohl ich mich gut fühlte mußte ich es ertragen mit anzusehen, wie ich vieles nicht mehr umsetzen konnte was ich mir vorgenommen hatte. Stattdessen habe ich nichts getan. Der einzige Trost den ich hatte war das sich meine Gedanken um meine geplanten Aktivitäten drehten. Nur ausführen konnte ich sie nicht. Das ist es was mich am Gehirn so fasziniert und auch stört. Es geht seinen eigenen Weg. Wenn der Kopf nicht will habe ich keine Chance, da kann ich denken wie ich will. Das sind dann Tage die einen ganz schnell zum Verzweifeln bringen können. Während andere sich auf das vorgenommene konzentrieren, jagd mir eine Frage nach der anderen durch den Kopf.

„Hat jeder diese Gedanken? Ergeht es auch Menschen so die keine Kopfverletzungen haben? Warum kann ich nicht all das in die Tat umsetzen was ich mir vornehme? Warum sind diese Blockaden da? Andere können das was sie fühlen und Denken auch in die Tat umsetzen, warum ich nicht? Fehlt mir der Wille, der Ehrgeiz?“

Es ist fast so als hätte mein Gehirn an bestimmten Tagen einen Schutzmechanismus damit ich mich nicht übernehme. Auf diesen Schutz würde ich so manches mal gerne verzichten. Einfach das tun was ich mir vornehme und nicht immer der „Schaltzentrale Gehirn“ ausgeliefert sein. Das ist es um was ich Gesunde beneide.

Über all das hätte ich Gestern schreiben können, aber Heute? Da kann ich nur schreiben, das es zwischen meiner Gefühlswelt und der von „Gesunden“ wahrscheinlich kaum Unterschiede gibt.