Archiv für den Monat: März 2012

6.27 Uhr

Es ist an der Zeit das ich mal wieder etwas aus meinen Alltag wiedergebe, um dem Untertitel des Blogs gerecht zu werden. Im Augenblick ist natürlich alles anders, wodurch sich ein ungewohnter Tagesablauf ergibt.

Von Montag bis Freitag klingelt der Wecker schon um 6.23 Uhr, wie ich es vor ein paar Tagen, erwähnt hatte. Inzwischen habe ich mir jedoch angewöhnt noch ein paar Minuten liegen zu bleiben um mich auf den jeweiligen Tag einzustellen, was dazu führt das ich um 6.27 Uhr aufstehe.

Zum Frühstück gibt es bei mir Müsli, das ist am leichtesten und schnellsten für mich. Brot schmieren ist schwierig und zu zeitintensiv. Danach geht es zur Arbeit die wie gewohnt Mittags endet. Das Mittagessen findet in Form eines Auflaufs oder einer Pizza meist zwischen 17.00 und 18.00 Uhr statt.

Da ich Sonntags, z.Zt. sehr spät aufstehe und mein Frühstück genieße habe ich genügend Zeit die Woche zu analysieren, denn mit dem Butter schmieren des Rosinenbrotes komme ich nur langsam voran. Dabei frage ich mich des öfteren wo denn der Unterschied zwischen körperlich beeinträchtigten und unversehrten, zwischen Behinderten und Nichtbehinderten liegt. Ob ich einen Grund finde um neidisch oder unzufrieden zu sein.

Außer Schnelligkeit kann ich keinen finden. 

Das ist der perfekte Einstieg in einen Sonntag an dem relaxen im Vordergrund steht, und ich mich glücklich und zufrieden zurücklehnen kann.

Gefühl

Endlich ist der erste Frühlingstag, in diesen Jahr, da. Passend dazu kann ich feststellen, das es mir wieder richtig gut geht. Ich erledige wieder alles mit dem Rad und arbeite als Hausmann. Nicht, das bei mir jetzt eine große Begeisterung darüber ausgebrochen ist, was alles im Haushalt zu erledigen ist. Aber Wäsche waschen, Wohnung säubern, Geschirr spülen, einkaufen, Blumen gießen usw. das alles gehört nun einmal dazu. Und genauso wie ich es vor über 20 Jahren zu testen angefangen habe ob ich auch alleine sein kann, bzw. ich problemlos für meine Frau den Haushalt führen kann, wenn sie mal krank ist, genauso soll es natürlich gut gehen, damit ich im Notfall bereit bin.

Wie wichtig das ist, hat sich vor 11 Jahren gezeigt als meine Frau am Arm operiert wurde und nichts machen konnte. Während der Zeit konnte ich ohne Schwierigkeiten all diese Tätigkeiten ausüben. Sie konnte ihren Arm schonen ohne sich gleich Sorgen machen zu müssen. Nun hoffe ich nicht das so ein Fall nicht wieder eintritt. Wie schnell es gehen kann, das einer ausfällt habe ich leider mehrfach in den letzten Jahren, gezeigt. 

Und so fahre ich doppelt motiviert mit dem Rad durch die Gegend oder erledige die Hausarbeit. Es ist ein schön Gefühl den Frühling genießen zu können und dazu noch das Wissen zu haben.

Ja, ich kann es, ja ich kann das was mir viele nicht zugetraut haben!          

Dim Tropfsteinhöhle

Gleich am 1. Tag hatten wir Glück und haben den Reiseleiter getroffen.Das war nicht ganz unwichtig für unseren Urlaub, denn wir haben eine Vielzahl an Ausflügen gebucht. Zeit zum eingewöhnen hatten wir kaum, denn es ging gleich am ersten Tag los zu einer Fahrt Richtung Alanya und weiter zur Dim Tropfsteinhöhle.

 dim.jpg

Die ca. 1 Millionen Jahre alte Höhle ist ungefähr 12 Kilometer von Alanya entfernt und liegt 232 meter über dem Meeresspiegel mit einer durchschnittlichen Höhe und Breite von 15 – 20 Meter. Es ist die zweitgrößte in der Türkei. Das Innere weist Stalagmiten, Stalaktiten, Säulen und Wände auf. Am Ende der Höhle befindet sich ein See.

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So schön die Höhle auch war, es war eine Herausforderung für mich, ja es war sogar eine Qual. Stahltreppen die glatt und steil waren und das Geländer war auch keine Hilfe, denn es war glitschig und kalt. Es ging ca. 50 – 70 Meter in die Tiefe. Den kleineren Gang habe ich dann auch nicht mehr besichtigt. Ich war für immer mit Tropfsteinhöhlen fertig. Der Rest des Tages verlief erholsamer, was wir gleich an unseren nächsten Halt in Alanya merkten.

Davon werde ich ziemlich entspannt nächste Woche berichten

Chaostheorie

Die genaue Definition der Chaostheorie möchte ich jeden ersparen, denn sie kommt aus der Mathematik bzw. Informatik und wird seid den neunzigern auch gerne in den Wirtschaftswissenschaften erwähnt.

So dauerte es auch nicht lange bis mir ein Buch darüber in die Hand fiel und ich auch einen Blick hinein warf. Beim Lesen des Inhaltsverzeichnisses fielen mir gleich die Begriffe auf die ich gebrauchen konnte um mein eigenes System auf dem Schreibtisch zu rechtfertigen. Seitdem liebe ich die Chaostheorie und pflege sie in meinen Zimmer. 

Heute morgen herrschte bei mir ein Chaos der Gefühle. Soll ich wie geplant mit der Bahn fahren oder es wagen mit dem Rad zu fahren? Als ich dann mit dem Rad zur Arbeit fuhr überschlugen sich die Freudengefühle. Die Auswirkungen dieses ersten Frühlingstages waren fatal. Ich habe doch tatsächlich soviel Ordnung in mein Zimmer gebracht das sogar meine Frau ein System in dem Chaos entdecken könnte. Theoretisch ist es für mich nun eine Kleinigkeit bis Ostern alles perfekt aufzuräumen.

Eigentlich schade, es wäre das AUS der Chaostheorie

Weisheiten XLII

Frankenstein

Vielleicht gibt es ja schon eine Doktorarbeit über die Beschaffenheit einer Narbe. Man könnte zumindest viel wissenschaftliches darüber schreiben. Eines haben jedoch alle Narben gemeinsam. Besonders attraktiv sehen sie in den ersten Wochen nicht aus.

 

Dementsprechend schnell bekam ich den Namen Frankenstein angedichtet. Anstatt beleidigt zu reagieren, bat ich darum wenigstens Dr. Frankenstein genannt zu werden. Dies ist nur eines von vielen Beispielen die ich nennen könnte.

Es zeigt das man sich selber nicht so wichtig nehmen sollte, das man immer bereit sein sollte auch einen Scherz über sich ergehen zu lassen. „Das Leben ist zu kurz um immer nur traurig zu sein“

 dieser etwas abgedroschene Satz trifft hier genauso zu wie

„Lachen ist die beste Medizin“

Schmunzeln, Lachen, Fröhlich sein, das sind die besten Garanten für ausgeglichen- und zufriedenheit. Da sich nahezu jeder danach sehnt und es auf jedenfall gebrauchen kann, muß man auch etwas dafür tun. Deswegen ist es ratsam nicht nur auf Kosten anderer Scherze zu machen, sondern auch welche über sich ergehen zu lassen. 

Oben genannte Sätze sind für mich ein Teil meines Lebens und ein wichtiger Baustein für jeweilige Gesundungsphasen und das ich einfach glücklich bin.

Gefühlsleben

Ausgerechnet heute habe ich mir vorgenommen etwas über die Gefühlswelten von Behinderten zu schreiben, an einen Tag wie diesen. Um 6.23 Uhr bin ich frohgelaunt aus dem Bett gesprungen um dann das morgendliche Prozedere zu erledigen. Da war nichts von Grübeln, nichts von Schwächephasen, da war alles optimal. Selbst als ich bei meinen 10-minütigen Fußmarsch zur Strassenbahn Rückenschmerzen bekam, habe ich positiv gedacht und nicht angefangen darüber nachzudenken wie es wäre wenn? 

Gestern wäre es leichter gewesen über das Thema zu schreiben. Da war ich oft zweifelnd und mir nicht sicher ob es richtig war schon wieder zur Arbeit zu fahren. Es war ein Tag an dem, nach außen hin, bei mir alles in Ordnung erschien, nur in meinen innerern da herrschte wieder Chaos. Ich hatte nicht die Kraft mich gegen das ein oder andere Zimperlein zur Wehr zu setzen. Obwohl ich mich gut fühlte mußte ich es ertragen mit anzusehen, wie ich vieles nicht mehr umsetzen konnte was ich mir vorgenommen hatte. Stattdessen habe ich nichts getan. Der einzige Trost den ich hatte war das sich meine Gedanken um meine geplanten Aktivitäten drehten. Nur ausführen konnte ich sie nicht. Das ist es was mich am Gehirn so fasziniert und auch stört. Es geht seinen eigenen Weg. Wenn der Kopf nicht will habe ich keine Chance, da kann ich denken wie ich will. Das sind dann Tage die einen ganz schnell zum Verzweifeln bringen können. Während andere sich auf das vorgenommene konzentrieren, jagd mir eine Frage nach der anderen durch den Kopf.

„Hat jeder diese Gedanken? Ergeht es auch Menschen so die keine Kopfverletzungen haben? Warum kann ich nicht all das in die Tat umsetzen was ich mir vornehme? Warum sind diese Blockaden da? Andere können das was sie fühlen und Denken auch in die Tat umsetzen, warum ich nicht? Fehlt mir der Wille, der Ehrgeiz?“

Es ist fast so als hätte mein Gehirn an bestimmten Tagen einen Schutzmechanismus damit ich mich nicht übernehme. Auf diesen Schutz würde ich so manches mal gerne verzichten. Einfach das tun was ich mir vornehme und nicht immer der „Schaltzentrale Gehirn“ ausgeliefert sein. Das ist es um was ich Gesunde beneide.

Über all das hätte ich Gestern schreiben können, aber Heute? Da kann ich nur schreiben, das es zwischen meiner Gefühlswelt und der von „Gesunden“ wahrscheinlich kaum Unterschiede gibt.  

Riskante Gefühle

Etwas riskant ist es schon was ich derzeit mit dem Blog mache. Ich lasse meinen Gefühlen freien Lauf und tendiere dabei eher zum „nicht schreiben“ als etwas zu veröffentlichen. Ich nehme ganz bewußt in Kauf das sich Leser von mir abwenden und das die Statistik wohl eher ein Minus als ein Plus zu verzeichnen hat. Diejenigen die bleiben bekommen dafür aber einen Einblick in das Gefühlsleben von Behinderten.

Wie ich es schon einmal beschrieben habe sind gerade Menschen die beeinträchtigt sind besonders von Formschwankungen betroffen.  Das will ich auch glaubthaft in diesen Blog aufzeigen. Vielleicht versteht der ein oder andere „unversehrte“ dann einiges besser. Erzählen kann ich es schlecht, man muß es miterleben. An Ideen zum Schreiben mangelt es mir zum Glück nicht, einzig dieses seltsam unberechenbare versuche ich zu vermitteln.

Gerade eben noch euphorisch  und im nächsten Moment das Gegenteil. Eben noch vor Kraft und Eifer strotzend und dann fast lethargisch.

Wer soll das noch verstehen? Das fällt selbst mir schwer, obwohl ich diesen Mechanismen oft genug ausgesetzt bin. Darum nehme ich meine Leser einfach mit, in der Hoffnung das sie dabei sind wenn ich eine Erklärung dafür finde. Eines habe ich auf jedenfall schon einmal festgestellt. Die Gefühlswelten von Gesunden und Behinderten sind unterschiedlich.

Morgen will ich es etwas genauer ausführen   

ohne geht nicht

Eigentlich wollte ich einen Artikel darüber schreiben welche Folgen es haben kann, wenn man eine Sache zu locker, zu lässig angeht. Doch mit einenmal ist bei mir die Luft raus. Ich kann nicht sagen waran es liegt. Sind es die Hormone? oder ist es das Blut abnehmen heute morgen, oder ist es einfach Müdigkeit? oder doch etwas anderes?

Da ich diesen Zustand des Nichtstuns, des erschöpft sein des untätig herumsitzen, nicht hinnehmen will, versuche ich dagegen anzukämpfen. Deswegen werde ich heute abend zur Vorstandssitzung des OV gehen. Ja, ich werde doch weiter dabei sein. Ohne Politik geht es nicht. Ich muß ja nicht viel machen, aber zuhören und vielleicht ein paar Beiträge das kann nicht schaden. Dieses Nichtstun, dieses permanente schonen, das ständige achten auf den Körper ob es ihn schaden könnte, dafür bin ich nicht geschaffen. das führt bei mir eher zu einer Blockade und Unzufriedenheit. Meine Trägheit, die ich im Augenblick habe ist wohl darauf zurückzuführen das ich mich so zurück halte, das ich bei jeder Kleinigkeit darauf achte ob mich das nicht belasten könnte.

Nein, so geht das nicht weiter. Ich muß aktiv sein. Jetzt liegt es an mir ein gesundes Mittelmaß zu finden, aber nur den Körper pflegen und auf die inneren Zeichen hören, das kann ich und will ich nicht. Später wenn ich im Altersheim bin dann ist das in Ordnung. Nur bis dahin habe ich noch mindestens 30 Jahre. 



Geburtstag 2012

Heute feiert der Blog seinen 3. Geburtstag.

Passend dazu ist gerade die CEBIT 2012 eröffnet worden. Auf der CEBIT 2009 fing alles an, ganz genau am 6. März 2009.

An dem Tag beschloss ich morgens auch einen Blog ins Leben zu rufen. Nach der Heimfahrt von Hannover nach Bremen wußte ich auch genau was für ein Blog es sein sollte und fing abends auch schon mit meinen 1. Beitrag an. Das Thema ergab sich für mich aus aktuellen Anlaß. Schon seit ein paar Wochen lag Monica Lierhaus im Koma. Gehirnbluten und ein Aneurysma sollen der Grund dafür gewesen sein. Mehr wußte ich nicht aber das reichte. 

Aus diesen Grund durchlebte ich meine Vergangenheit im Krankenhaus ziemlich intensiv, vor allen die ersten Stunden und Tage Stunden nachdem ich aus dem Koma erwacht war. Und so hoffte ich täglich für Monica Lierhaus das sie auch wieder erwachen würde. „Wie mag sich jemand fühlen, der gerade aus dem Koma erwacht und feststellt das nichts mehr so ist wie es noch eben war?“wobei das „eben“ für Tage aber auch für Wochen stehen kann. Also fing ich an zu schreiben um ihr Mut zu machen wenn sie eines Tages wieder in der Lage sein sollte(wovon ich fest überzeugt war) sich im Internet zu bewegen um dann vielleicht auf diesen Blog zu stoßen. Da ich nicht wußte ob sie jemals diese Zeilen lesen würde habe ich mich schnell auf alle anderen Menschen die mit Beeinträchtigungen leben, konzentriert. Dabei habe ich immer Wert darauf gelegt aufzuzeigen das es im Leben zwar genügend Tiefpunkte gibt aber das man genausogut die schönen Seiten des Lebens erleben kann.

Anhand meines Schreibstils kann jeder eine Veränderung des Blogs feststellen. So würde ich meine ersten Artikel heute vollkommen anders schreiben. Das sie mir trotzdem gefallen liegt daran das ich sie als Gradmesser für eine Weiterentwicklung betrachte, denn sie dokumentieren auch das man den Mut für Veränderungen jederzeit haben kann. Sie zeigen auch

„Wer nichts wagt – der nichts gewinnt“

Susi Sorglos

Nachdem ich nun die ersten Tage, ohne Schilddrüse, hinter mir habe möchte ich eine kleine Bilanz ziehen. Dabei möchte ich mich bei „Susi Sorglos“ bedanken, ihr Kommentar kam genau in dem Moment als ich ihn brauchte. Darin schreibt sie das vor 5 Jahren auch eine OP hatte und das sie seitdem das Gefühl der ständigen Müdigkeit nicht mehr habe, aber vor allen das ihr Kreislauf wieder besser sei. Einzig die dauerhafte Tablettenabhängigkeit würde ihr Sorgen machen. Als Dank dafür werde ich ihren Blog auf meine Linkliste setzen.

Ausgerechnet ihr Schwachpunkt, die Unsicherheit über die Abhängigkeit von Tabletten gab mir die notwendige Stärke zurück.  Da sie schrieb das vieles nach der OP besser geworden sei, fing ich an in Ruhe nach vorn zu blicken. Tabletten nehme ich schon seit 45 Jahren und genauso lange wird mir etwas über die Gefährlichkeit von Tabletten erzählt. Dabei vergisst jeder mir zu erzählen wie für mich ein Leben ohne Tabletten wäre. Natürlich besteht die Gefahr der Nebenwirkungen, aber heutzutage verhält es sich anders wie vor 40 Jahren. Die meisten Medikamente beruhen auf pflanzlicher Basis.

Auch wenn ich es anfangs nicht für möglich gehalten habe, Susi hat recht. Ja, ich kann sogar noch weitergehen. Meine Allergie ist urplötzlich wieder weg, meine Körpertemperatur sinkt abends nicht mehr auf „Eiszeit“ sondern bleibt konstant und ja die geistige Frische – sie hat sich auch verbessert. Es hat sich viel zum guten verändert nach der OP. Dank der modernen Medizin ist es nun möglich ein Leben wie früher zu führen. Damals als meine Schilddrüse noch intakt war. Dafür nehme ich gerne Tabletten und auch die regelmäßige Überprüfung meiner Blutwerte in Kauf.