Tannenbaum oder Mistelzweig?

 

Es war so ziemlich das schlechteste Jahr seit seinen Unfall gewesen das Klaus erlebt hatte. Inzwischen waren über 11 Jahre vergangen und er wohnte jetzt als Single allein. Ein Leben allein in der eigenen Wohnung, das war schon immer sein Traum gewesen. Den hatte er sich vor gut 2 Jahren erfüllt. Anfangs war ja alles wunderbar gegangen und die Ziele waren auch klar vorgegeben. Er wusste genau das er allen die es ihm nicht zutrauten allein leben zu können, denen wollte er beweisen das auch Behinderte Menschen ein eigenständiges Leben führen können, ein Leben wie jeder andere auch. Nur 1978 war nicht sein Jahr gewesen. Seine Ziele hatte er erreicht und nun musste er versuchen die Zukunft neu zu planen. Dabei holten ihn die Sünden der Vergangenheit ein.

„Das Leben genießen“

 

den Satz hatte er in der Vergangenheit ziemlich oft übertrieben. So stand er kurz vor dem Gesundheitlichen Abgrund. Aufgrund des hohen Alkohol Konsums hatten sich seine Epileptischen Anfälle nicht verringert sondern ständig zugenommen. Auf der Arbeit stand er wieder einmal auf der Kippe. Er wurde abgeschoben in eine kleine Außenbibliothek  der Bibliothek für Jura. Nach wie vor befand er sich in der untersten Lohngruppe und der Unterschied zwischen ihm und den anderen Angestellten wurde immer größer. Während Klaus arbeitete um danach das Leben zu genießen, genossen es die meisten seiner Kollegen in der Bibliothek zu arbeiten. Zu allen Überfluss sah es ganz so aus als ob er die Weihnachtstage allein in seiner Junggesellenwohnung verbringen müsste. Kurzerhand fragte er seine Großmutter ob er ihr Gesellschaft leisten könne.  So fuhr Klaus für 3 Tage zu seiner Großmutter, die er liebevoll Oma nannte.    

 

„Wo ist der Tannenbaum“?

fragte er gleich zu Beginn seines Aufenthaltes nachdem er nur Gestecke und einen Mistelzweig vorfand.

„Ich brauche keinen Baum mehr, es kostet zuviel Kraft alles auf- und abzubauen“ entgegnete sie.

„Warum auch nicht mal anderes, vielleicht ist das der Start in ein besseres Jahr“  sagte er sich.

„Weißt du min Jung, das Leben verläuft selten sowie man es will, es kommt immer anders“

sagte sie im Laufe des Abends und fügte einen Satz hinterher den er nicht so gern hörte, da er aber aus ihren Munde kam nahm er ihn auf.

„Es liegt einzig und allein an Dir was aus Deinen Leben wird. Ob du etwas erreichen willst, oder nicht. Wenn Du voran kommen willst gehe auf deine Mitmenschen zu, zeige ihnen das du ein guter Mensch bist, behandele sie so wie du gerne Behandelt werden möchtest.“

Klaus kam aus dem Staunen nicht mehr heraus. Soviel hatte er seine Oma noch nie reden gehört. Das sie mit ihm auch noch so kritisch vorging war auch eine vollkommen neue Erfahrung. Das war eine Herausforderung und führte dazu das es eine sehr lange Nacht wurde. Ganz zum Schluss bekam er noch eine Empfehlung, die sein späteres Leben entscheidend prägen sollte.

 

„Gehe Deinen Weg, den Du für Dich als den richtigen erachtest, laß Dich dabei nicht beirren, selbst dann nicht wenn Dich keiner versteht. Denn nur Du weißt das Ziel und hast Deinen eigenen Weg es zu erreichen.“

was sie noch mit folgenden Worten ergänzte. „Vergess nicht. die anderen sind immer schlauer, sie wissen immer alles besser. Am Ende wussten sie es natürlich schon lange und haben immer an Dich geglaubt. Lass Dich nicht aus der Ruhe bringen, je größer dein Ziel ist umso länger brauchst Du um es zu erreichen umso mehr Geduld wird von Dir abverlangt damit Dich alle verstehen“

Es waren 3 Tage voller Weisheiten für ihn. Es waren gleichzeitig aber die lehrreichsten Weihnachten die Klaus jemals erlebt hatte

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