Schande

Vorgestern war der einzige Tag in dieser Woche ohne Termine. Dementsprechend war Bummeln angesagt, unbeschwertes Flanieren in der Fußgängerzone. Mit einenmal tauchte eine Frau neben mir auf sah mich mit einen erbosten Blick an und rief:

schimpfen

„Am Hellichten Tag – was für eine Schande“

Nachdem sie mir diese Worte entgegen geworfen hatte warf sie ihren Kopf noch einmal demonstrativ zurück und zog eiligen Schrittes weiter. Es dauerte ein paar Sekunden bis das von mir verarbeitet worden war. Anstatt ihr hinterher zu laufen sie anzuschreien um sie dann zu belehren das mein Gang nicht die Folge einer Volltrunkenheit sei, beließ ich es bei einen Kopfschütteln.

Nein – soviel Dreistigkeit oder besser Dummheit  war mir in den letzten 47 Jahren nicht einmal passiert. Wobei die Frau nicht ganz falsch lag. Mein Gang ähnelt manchmal dem eines Alkoholisierten, das ist mir bekannt. Deswegen aber auf Genießen verzichten?

Nein das kommt überhaupt nicht in Frage. Auch wenn mein Gang nicht perfekt ist, schaukelnd wie ein Schiff in Seenot ist oder um es bösartig auszudrücken dem eines Betrunkenen gleicht. Das spielt für mich keine Rolle. Ich kann mich bewegen, kann gehen ja sogar laufen und brauche nicht im Rollstuhl sitzen. Mir ist es egal welche optische Wirkung das hat, wie andere das wahrnehmen? So lang es geht ist dies ein Grund zur Freude und Stolz darauf zu sein das mir dies auch Heute noch so gut gelingt. Wer weiß wie es in 20 Jahren aussieht?

Da sind Menschen wie diese Frau eine Schande.