Älter oder Alt?

Diese philosphische Frage stellt sich mir öfter in den letzten Tagen. Ja, es stimmt – vor kurzen bin ich älter geworden worauf ich auch stolz bin. Immerhin hatte mir das damals in den 70-ern und 80-ern des letzten Jahrhunderts nur wenige zugetraut.

Im Augenblick, speziell am Wochenende stellte sich für mich aber die Frage ob ich denn nun Alt sei.  So als ob das Leben an mir vorbeigehen würde, das ich das was früher für mich vollkommen normal war, nicht mehr machen möchte.

Zwei Beispiele dafür. Früher war es selbstverständlich für mich den Radiosender für junge Leute zu hören. Doch diesmal war es anders. Nach 2 TagenJugendsender kam schon die Rolle rückwärts für mich. Seit Gestern läuft wieder mein gewohnter Sender mit Oldies. Am letzten Wochenende  führte mich mein Weg nicht in die Disco um mal etwas neues auszuprobieren. Vielmehr steckte auch eine gewisse Lustlosigkeit gegenüber der Disco Zeit dahinter.  Mir gefiel es Zuhause sogar besser als im Treiben der Nacht.

Nur bin ich deswegen zu Alt? Zu Alt um am Leben teilzunehmen? Oder ist es vielmehr die allgemein übliche Veränderung die jeder im Laufe seines Lebens durchmacht?

In meiner ersten Zeit als Junggeselle oder nachdem die größten gesundheitlichen Schwierigkeitenüberstanden waren, prägte mich ein Leitsatz:

„Du willst so gut es geht so oft es geht am Leben teilnehmen, Du willst es so wie jeder andere auch geniessen und wahrnehmen“

Diesen Satz bezog ich damals hauptsächlich auf den Bereich Amüsement! Diese Zeit ist nun nicht vorbei, denn nach wie vor steht das bei mir im Vordergrund.

Mein neuer Kernsatz lautet nun

„Du willst das Alter – die damit verbundene Freude – wahrnehmen und geniessen“

Eines soll bei mir aber nicht der Fall sein. Das ich der Zeit hinterher laufe und in Form von Disco Nächten einfangen möchte. Vielleicht führt mich mein Weg am Wochenende noch einmal in die Nacht der Musik, vielleicht geniesse ich aber auch den Abend wieder Zuhause. Früher sah es so aus als ob man unbegrenzt Kräfte hätte, dem ist Heute nicht mehr so, Heute müssen sie eingeteilt werden.

Deswegen ist man aber nicht zu Alt im Kopf sondern nur älter an Jahren

Brot oder Brötchen?

Eigentlich ist mein Rhytmus immer der gleiche, wenn meine Frau zu ihrer Mutter in den Schwarzwald fährt, und das schon seit 27 Jahren. Jedesmal ist anders, doch eines ist Heute noch genau wie beim ersten Mal – mein Frühstück!

Am Sonntag gibt es bei uns fast immer Brötchen.  Doch leider läßt sich das für mich alleine nicht realisieren. Es wäre zu umständlich und langwierig. So kam mir irgendwann die Idee mit dem Rosinenbrot, was von mir bestimmt schon erwähnt wurde. Nur wie mein Frühstück dann zustande kommt, das ist bisher mein Geheimnis geblieben.

Weißbrot oder Kürbisbrot schmecken gut, wäre eine ausgezeichnete Alternative, aber zu dünn zu weich.  Rosinenbrot das nicht zu dünn und zu frisch ist, läßt sich leichter beschmieren als alles andere. Es ist fest genug um von mir beschmiert zu werden.  Das sieht dann so aus, das die Butter schon am Samstag aus dem Kühlschrank geholt wird. Sie ist dann nicht mehr so fest. Auf das Brotbrett lege ich eine Scheibe die von mir vorher vorsichtig losgelöst worden war. Dann lege ich meine linke Hand auf den Tisch denn sie dient als Bremse oder Stopper für das Brotbrett bzw. dads zu beschmierende Brot. Um alles gleichmäßig auf der Scheibe zu verteilen wird das Brot von mir immer wieder gedreht. Irgendwann ist alles Perfekt. Dann muß nur noch meine linke Hand oder Handrücken gesäubert werden – und fertig ist mein Frühstück.

Bevor dieses Prozedere beginnt muß mir klar sein, das der Zeitaufwand je nach Hunger ziemlich hoch sein kann. Für meine fünf Scheiben waren Gestern ungefähr 50 Minuten  notwendig. Geduld ist also Voraussetzung, dafür ist der Genuß dann umso höher

 

Gutmütig

In den letzten Tagen sagte man mir im Gartenverein,von unterschiedlichster Seite aus, das ich zu gutmütig sei. Auch wenn es jeweils kritisch gemeint war, für mich ist es ein Lob und Bestätigung für meine Arbeit.

Bedingt durch meinen Unfall hat sich bei mir eine langfristige Vorgehensweise ergeben.  Das äußert sich so, das man meine aktuellen Aktivitäten belächelt und mich dafür auch gerne unterschätzt oder um es noch drastischer zu sagen nicht immer für voll nimmt, weil man es selber anders machen würde. Mir ist das bewußt, was mich aber nicht davon abhält meinen Weg mein langfristiges Ziel weiter zu verfolgen.

Solange dieses Ziel nicht in Gefahr ist, gibt es für mich keinen Grund zum eingreifen, oder wie so oft zu hören ist. „Mit der Faust auf den Tisch zu hauen“ Mein Ziel ist nicht erwachsenen Menschen machtvoll entgegen zu treten um sie einzuschüchtern, mein Ziel ist mit erwachsenen Menschen so zusammen zu arbeiten, das jeder sich eingebunden fühlt. Das Kleingartengesetz sagt zwar das letztendlich immer der 1. Vorsitzende das Sagen hat, das nur seine Entscheidungen bindend sind.

Aber wenn das mein Stil wäre, dann könnte der Restvorstand immer Zuhause bleiben. Kurzfristig mag das die Arbeit bei schwierigen Entscheidungen vielleicht erleichtern, langfristig ist aber der falsche Weg. So nehme ich lieber etwas mehr Arbeit auf mich, nehme Ärger in kauf, habe aber auf längere Sicht einen zufriedenen Vorstand, der dem gesamten Verein nur von Vorteil sein kann.

Jede Aktion die von mir gemacht wird ist durchdacht, aber immer auf einen längeren Zeitraum ausgelegt. Mal sind es nur ein paar Monate, mal können es mehrere Jahre sein.

Es ist so wie damals als ich noch an Krüken ging, nachdem ich gerade den Rollstuhl verlassen hatte. Fast alle Ziele von mir brauchten Geduld. Geduld die auf minimum 10 Jahre ausgelegt waren. Viele konnte ich schon nach 7-9 Jahre als erledigt betrachten. Für die  meisten  hieß es noch mehr Geduld bewahren.

Genau so betrachte ich mein Vorgehen im Gartenverein. Es ist schon erstaunlich, das Heutzutage kaum noch jemand Geduld und Weitsicht hat um späteren Erfolg erkennen zu können. Trotzdem – ich gehe meinen Weg und lasse mich dabei nicht aus der Ruhe bringen, eben so wie damals.