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Heute ist mein Geburtstag.

So wie ich heute fühle, so ergeht es bestimmt vielen anderen Behinderten auch. Jeder Jahrestag ist etwas besonderes. Vor allen für diejenigen, denen es gelungen ist Ärztlichen Prognosen zu trotzen indem sie immer noch da sind. Sie haben an sich geglaubt, sie waren bereit sich zu quälen, sie haben immer Positiv gedacht. Das ist wahrscheinlich die Medizin für ein längeres Leben.


Panik

Gestern war ein merkwürdiger Tag. Anfangs lief alles normal und ich fühlte mich auch ganz gut. Gegen Mittag änderte sich das leider schlagartig. Kurz nach dem Mittagessen verspürte ich einen stechenden schmerz in der Rechten Kopfhälfte. Es waren keine Kopfschmerzen, es war nur ein dumpfes Drücken auf der Stelle wo ein Stück Gehirnmasse fehlt und dann dieses Stechen. Das hatte ich früher ziemlich oft, Heute kommt es seltener vor. Während ich vor ein paar Jahren, solche Zeichen noch ignoriert habe, reagiere ich inzwischen ziemlich Sensibel.

Mir ging wieder einmal alles durch den Kopf. Was kann ich machen um diese Schmerzen zu vermeiden? Diese Frage beschäftigte mich am meisten. In meiner Panik kam ich auf die Idee, die Politik vollkommen auf zu geben.  Das passte auch weil wir Abends noch eine Beiratssitzung hatten. Für mich war klar. Ich höre auf. Trotzdem. So richtig wohl fühlte ich mich nicht.

Zum Glück hat mich meine Frau wieder an meine Tugenden erinnert. Kampfgeist, Durchhaltevermögen und Positiv Denken. Das war genau zur rechten Zeit. Nachdem ich alles in Ruhe verarbeitet hatte, kam ich zu dem Schluss das meine Reaktion am Mittag zwar verständlich war, aber nach 5 Minuten hätte ich schon wieder alles im Griff haben müssen. Na ja, so waren es 3 Stunden.

Wie schnell der Wandel sich bei mir vollziehen kann, merkte ich Abends auf der Sitzung. Die Stellvertretende Beiratssprecherin ist aus dem Beirat ausgeschieden und somit war diese Stelle wieder frei. Vor 3 Jahren hatte sie mich noch knapp übertrumpft. Jetzt wäre ich also dran diesen Posten zu besetzen. Für eine kurze Zeit habe ich auch mit dem Gedanken gespielt. Doch das war nur kurz. Unser Fraktionsprecher, der beruflich schon als Berater für eine Senatorin arbeitet, kann nicht genug Macht und Posten an sich reißen. Nun ist er Fraktionssprecher und stellv. Beiratssprecher. Ich nenne das Postengier. Und das schon im kleinst möglichen Parlament. Einfach toll dieses Politikverständnis das alle mit einbeziehen soll. Sein Verhalten entspricht nicht meinen Politikverständnis. Aber so ist das eben in der SPD. Viel reden und wenn es darauf ankommt Gemeinschaftsgefühl zu zeigen, werden alle Vorsätze über Bord geschmissen. Ich habe nur aus einen Grund nicht protestiert und bin deswegen auch ganz ruhig geblieben. Ich habe versucht vernünftig zu bleiben und an meine Gesundheit gedacht. Wie lange meine Vernunft anhält weiß ich nicht? Irgendwie fühle ich mich wie ein Pulverfass vor der Explosion.

So ist das bei mir, kaum habe ich den Tiefpunkt überwunden blicke ich voller Tatendrang nur nach vorne. Nur auf diese Art und Weise konnte ich die letzten 43 Jahre vorankommen.

Spielanalyse

Gestern hat die Deutsche Nationalmannschaft gegen Spanien bei der Fußballweltmeisterschaft verloren. Sie hat zu Recht verloren. Aber nicht weil sie zu jung war oder die Spanier so gut waren. Sie haben verloren weil sie zu ängstlich waren. Weil sie eine Marschroute hatten, die auf Verteidigung und nicht auf Angriff beruhte, weil sie nicht aktiv genug waren, weil sie nichts investiert haben. So wurde aus mittelmäßigen Spaniern, die in den ersten 5 Minuten noch zurückhaltend waren, eine überlegene Mannschaft, die das Spiel in Ruhe kontrollieren konnten.

Wenn sich jeder Beeinträchtigte Mensch so verhalten würde wie die Deutsche Mannschaft gestern, würde kaum jemand Gesund werden. Selbst ein Beinbruch würde nur mühsam heilen.  Wer sich weiter entwickeln möchte muß was dafür tun. Wer einen Fortschritt für sich und seine Gesundheit erreichen will muß aktiv werden. Viele aussichtslose Situationen werden, von Menschen, in Angriff genommen und gewonnen. Sie haben Mut, sie glauben an sich und ihr Ziel, ihr Blick ist nur nach vorne ausgerichtet.

Wer aber nichts unternimmt und sich nur passiv verhält, der kommt nicht voran, der hat verloren.

Special Olympics Persönlich

Die Athletinnen und Athleten sind das höchstes Gut von Special Olympics- für sie wurde Special Olympics vor 40 Jahren gegründet, in ihrem Sinne wirkt die Special Olympics Idee weltweit und für ihre Wertschätzung und Integration engagieren sich Menschen in 180 Ländern.

In Deutschland gehören derzeit 30.000 Sportlerinnen und Sportler mit geistiger Behinderung zu Special Olympics, erlernen eine Sportart und trainieren für die Wettbewerbe. Sie leben die Special Olympics Idee, mit den Mitteln des Sports das eigene Potential zu erschließen, selbstbewusster und selbständiger zu werden und sich aus eigener Kraft Anerkennung in der Gesellschaft zu erwerben. Dafür gibt es viele Beispiele und bewundernswerte Erfolgsgeschichten, die natürlich das gesamte Umfeld der jeweiligen Athletinnen und Athleten einschließen. Einige davon können Sie auf dieser Website und in unseren monatlichen Newslettern lesen.

Vor allem aber sind die Sportlerinnen und Sportler mit ihrer Offenheit, ihrer Begeisterung, ihrem Engagement für ihren Sport und mit ihrer unvergleichlichen Art, sich zu freuen, die besten Botschafter in eigener Sache.

So lautet die offizielle Beschreibung auf der Homepage der Special Olympics.

Und es stimmt. Die letzten 2 Absätze treffen 100% zu. Selbstbewußter und selbstständiger durch Sport. Nirgendwo ist diese Aussage zutreffender als bei Menschen mit Beeinträchtigungen. Das es immer wieder Erfolgsgeschichten gibt liegt daran, das die meisten Behinderten, vor allen geistig und Mehrfach Behinderte, nur positiv denken.

In meinen vielen Begegnungen habe ich nie Negativ denkende Menschen erlebt. Egal welche Beeinträchtigung sie haben. Mag es aus der Sicht „Gesunder Menschen“ noch so schlimm sein, das stört sie nicht. Sie blicken nach vorn und freuen sich des Lebens. Sie freuen sich über jeden Tag den sie erleben können.

Es gab auch bei mir Phasen in denen ich nicht so sicher und zuversichtlich war. Als ich dann aber Menschen getroffen habe die Mehrfach beeinträchtigt sind, konnte ich immer nur feststellen, das mein Zweifeln unbegründet war und das ich keinen Grund zum Hadern habe. Stattdessen darf es für mich nur eines geben.

Den Blick nach vorne und positives Denken. Genau das kann ich nur jeden empfehlen

Special Olympics

In Bremen finden gerade die Special Olympics statt. Mein Kommentar dazu folgt morgen. Hier der Einführungstext von Radio Bremen:

Dieses Jahr finden in der Hansestadt die Nationalen Spiele für Menschen mit geistiger Behinderung statt – die Special Olympics. Unter dem Motto

„In jedem von uns steckt ein Held“ per.jpg

treten vom 14. bis zum 19. Juni 2010 über 4.500 Athletinnen und Athleten in Sportwettkämpfen an. Somit werden es die größten deutschen Sommerspiele geistig behinderter Menschen sein, die es bisher gab: Die Special Olympics National Games geben den Sportbegeisterten die Möglichkeit, Ihren Ehrgeiz und Ihre Leistung unter Beweis zu stellen. Mit Betreuern, Helfern und Familienmitgliedern erwartet die Stadt über 12.000 Aktive, die zu den Spielen nach Bremen kommen. Die Veranstaltung ist mit den Olympischen Spielen vergleichbar, allerdings auf nationaler Ebene. Die geistig behinderten Teilnehmer treten in 20 verschiedenen Sportarten gegeneinander an, darunter Fußball, Leichtathletik-Disziplinen und Schwimmen „So viele wie noch nie“, sagte der Präsident des Organisationskomitees, Hans-Jürgen Schulke: Nicht weniger als 4.550 Sportler nehmen an den Sommerspielen in Bremen teil. Der Veranstalter spricht von einem Rekord an interessierten Teilnehmern. Innerhalb von zehn Jahren habe sich die Teilnehmerzahl der National Games verdreifacht. Mehr als 5.000 Athleten hatten sich für die Sportspiele beworben. Aufgrund der begrenzten Kapazitäten in den Sportstätten konnten jedoch nicht alle zugelassen werden. Begleitet wird das Sporttreffen in Bremen von einem internationalen Wissenschafts-Kongress. „Wir sehen immer wieder, dass geistig behinderte Menschen durch Sport einen kräftigen Entwicklungsschub erfahren“, sagte Schulke. Deshalb wolle man diskutieren, warum das so ist. Durch die Special Olympics sollen Menschen mit geistiger Behinderung auch mehr soziale und gesellschaftliche Anerkennung gewinnen. Fast 500.000 von ihnen leben in Deutschland. Die internationale Sportorganisation Special Olympics Deutschland e.V. richtet das Sportevent aus. Sie stellt die weltweit größte Sportbewegung für Menschen mit geistiger und Mehrfachbehinderung dar. In rund 180 Nationen erfasst der Verein über 2,8 Millionen Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit geistiger Behinderung. Neben den sportlichen Wettbewerben bietet er auch das Gesundheitsprogramm “ Healthy Athletes“ und ein Familiennetzwerk an. Im Jahr 1998 fanden die ersten von Special Olympics Deutschland organisierten Nationalen Sommerspiele statt. Seit dem ist sowohl die Teilnehmerzahl als auch die Qualität der Veranstaltung stetig gestiegen. Die Nationalen Spiele werden im jährlichen Wechsel als Nationale Sommer- und Winterspiele ausgetragen.