Jahresbilanz Teil 1

Das war dürftig, oder um es deutlicher zu sagen: es war ein Armutszeugnis das ich mir an diesen Wochenende beim Blog ausgestellt habe. Den Reisebericht am Freitag nicht fertig gestellt und Samstag zum einjährigen Geburtstag keine Bilanz gezogen. Es fehlte einfach der letzte Biß um glaubwürdig zu schreiben.

Deswegen war es besser auf Einträge zu verzichten. Das diese Entscheidung richtig ist, wurde mir Samstag Nacht bestätigt, als ich mich morgens um 4.00 Uhr mit jemanden über diesen Blog unterhalten habe. Es war ein schönes aber intensives Wochenende. Wenn die Musik mal nicht nach meinen Geschmack war habe ich an den Blog gedacht, was ich in den letzten 12 Monaten alles aufgeschrieben habe.

Angefangen hatte alles auf der CEBIT im letzten Jahr. Fast an jeden größeren Stand gab es den Hinweis auf einen Blog. Mein Kollege hat auch einen Blog. Nur ich noch nicht. Was sollte ich aber auch schon schreiben? Meinen Tagesablauf präzise wiedergeben, so wie es etliche in ihren Blog machen? Oder einen Themenblog? Wenn ja für welches Thema? Sollte er mehr sachlich sein? oder vielleicht mit etwas Leben gewürzt sein? Welche Sachthemen kämen überhaupt für mich in Frage? Da kam mir die Idee das ich mein Leben, meine Erlebnisse und meine Erfahrungen aufschreiben könnte. Mein Leben nach meinen Unfall. Das was ich alles durchgemacht habe positives und auch negatives. Vielleicht kann ich für den ein oder anderen eine Hilfestellung geben. Gesagt getan. Aber dann wurde es doch ganz anders.

Der Anfang war phasenweise brutal für mich. Es kostete schon einige Überwindung soviel Persönliches aufzuschreiben. Des öfteren wollte ich einfach nur einen simplen Tagesablauf wiedergeben. Zum Glück habe ich mich jedesmal anders entschieden. Es war auch ungewohnt ständig in der Ich-Form zu schreiben. Das schwierigste war für mich die Rolle als Selbstdarsteller zu vermeiden. Denn jeder Blog ist eine  Selbstdarstellung! Für mich war es deswegen sehr wichtig, dem Leser nicht mich sondern meine Erlebnisse und Erfahrungen in den Vordergrund zu stellen. Zum Glück habe ich doch das ein oder andere Mal eine Rückmeldung an meine mailadresse bekommen, worauf ich dann u.a. mit den Reiseberichten reagiert habe.

Es geht morgen weiter       

6-days Bilanz

Ein wenig Mut gehörte schon dazu, diesen Schritt zu wagen. Harte körperliche Arbeit, die bis in die frühen Morgenstunden andauerte, die das absolute Gegenteil von meiner normalen Arbeitswelt war. Kein Büro, keine Stille, keine geistige Arbeit. Große Hallen, ein riesengroßer Lärmpegel und körperliche Anstrengung die bis ans Limit ging.

In diesen Tagen bzw. später, wurde mir klar, wer nur den leichten Weg wählt, wird es schwerer haben im Leben. Je mehr du bereit bist durchs Feuer zu gehen, umso mehr wirst du davon profitieren. Wie sehr mich diese Tage beeinflußt haben wird mir erst heute beim Schreiben dieser Zeilen klar. Bevor ich dort gearbeitet hatte, war ich zwar schon selbstbewußt, aber die Momente des Zweifelns und der Unsicherheit waren doch recht häufig vertreten. Nun bewegte ich mich zwischen ungefähr 100.000 Menschen durch, mit einer Selbstverständlichkeit, von der ich vorher nicht einmal im Traum daran gedacht hatte. Mir wurde in dieser Masse klar, das ich auf mich sehen muß, denn wenn ich nicht aufpasse werde ich zur Seite gedrückt. Das nur ich meinen Weg gehen muß. Andere werden vielleicht auf mich sehen, aber meine Arbeit muß ich alleine machen. Deswegen muß ich die Blicke, oder Kommentare ignorieren. Nur wenn ich stark bin, komme ich weiter. Das ich dazu oft bis an meine Grenzen gehen muß wurde mir schon früh klar. Je härter ich zu mir bin, umso wahrscheinlicher, das ich auch Freude ernten werde. Das dieser Weg, diese Einstellung nicht verkehrt ist, habe ich Jahre später feststellen können.

Unter uns (8 Hilfskräfte) waren drei aus wohlbehüteten Hause, sie haben die 6 Nächte nicht geschafft sie haben vorher  aufgegeben. Der Rest war so wie ich. Wir mußten uns durchs Leben kämpfen. Später habe ich mal den ein oder anderen getroffen. Das Leben war für sie wie ein Spiegelbild ihrer Arbeit bei den 6-days gelaufen. So sehr ich auch geflucht und geschimpft habe, so sehr hat es sich auch gelohnt. Diese Einstellung hat mir auch geholfen meine Ausbildung zu überstehen. Diese Einstellung hat mir geholfen vieles zu überstehen. Denn ich wußte nun, das der Spruch stimmt:

Ohne Schweiß bzw. Fleiß kein Preis! Diesen Spruch kann man auf alles im Leben anwenden.