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Glückstadt

Bei meinen Planungen für die Tour war ich von durchschnittlich 65 Kilometern pro Tag ausgegangen. Mehr sollten es nicht sein, denn die große Ungewisse war wie es um meine Kräfte bestellt ist. Zum anderen wollte ich auch etwas von der Orten sehen, die Landschaft genießen überhaupt soviel wie möglich von dem wahrzunehmen was mir begegnet.

Die nächste und einfachste Entfernung zum Fähranleger in Wischhafen waren ungefähr 30 Kilometer. Das war mir allerdings doch zuwenig und so kam ein Umweg über Himmelpforten zustande. Dadurch wurden es, am späten Nachmittag gut 70 Kilometer. An dem Tag gab es zwei erwähnenswerte Erlebnisse.

Himmelpforten

Himmelpforten!  Das Dorf (4905 Einwohner)  ist besonders in der Weihnachtszeit in aller Munde. Der Ort wird dann zum Christkinddorf. Für zahlreiche Kinder in der ganzen Welt ist der Ort die Postadresse des Weihnachtsmanns. Vor genau diesen Wihnachtspostamt stand ich und schmunzelte über eine Idee die seit den den 1960er Jahren gepflegt wird.

 

Herausragend an dem Tag war aber die Überfahrt von Wischhafen nach Glücksstadt. Dank eines fulminanten Schlußspurts gelang mir noch gerade der Sprung auf die Fähre Das war nicht wie von der Weser gewohnt, ca. 5 Minuten Fahrtzeit, nein hier dauerte die Überfahrt eine gute halbe Stunde. Dazu leichter Wellengang und Schiffe die auf der Elbe Richtung Hamburg fuhren. Außerdem gab es neben mir nur noch LKWs und PKWs. Das sah schon Lustig aus. Auf der einen Seite die Brummis und daneben mein Fahrrad. So kam ich frohgelaunt und fast ausgeruht in die Jugendherberge. Die Jugendherberge des Grauens

 

1. Etappe – Wingst

An welchen Tag es genau los ging – da bin ich überfragt. Es war auf jedenfall sehr früh. So gegen 6 Uhr begann meine Rundfahrt. Es war für mich eine Fahrt ins ungewisse. Die erste Etappe führte mich nach Wingst.  Ein ca. 4.000 Einwohner großes Dorf im Cuxhavener Land nicht weit von der Nordseeküste entfernt. Das besondere sind die vielen Freizeitmöglichkeiten. Dementsprechend war und ist dort auch eine Jugendherberge zu finden.

wingst

Vor mir lagen also gut 90 Kilometer wenn alles einwandfrei laufen würde. Das es am Ende 110 Kilometer wurden lag daran das nicht jede Strasse so befahren werden konnte wie sie ausgewiesen war. Dazu kamen noch einige Umwege, eine Eigenschaft die sich für mich in den nächsten Tagen noch zur Spezialdisziplin für mich entwickeln sollte. Manche Umwege waren bewusst gewählt, die Mehrzahl ergab sich jedoch aus falschen Lesen der Landkarten.

Mit meinen 5 Gang Damenrad ging es in Richtung Norden. Nach den ersten Kilometern und einer gewissen Euphorie holte mich die Realität ein. Die sah so aus das die Sonne nicht schien sondern es nieselte. Und nach 60 – 80 Kilometern stellte sich für mich die Frage wie mein Knie diese Tour mitmacht. Mitten auf der ersten Etappe schmerzte es.

Im Vorfeld dieser Fahrt war mein Training manchmal doch ziemlich anstrengend gewesen, vielleicht waren die Grenzen meiner Belastungsfähigkeit auch zu stark ausgereizt worden. In Bremen-Nord, einen romantischen Stadtbereich Bremens, hat sich die Vorbereitung gelohnt weil es dort die einzigen Möglichkeiten gab hügeliges Fahren zu testen. Gleichzeitig wurde dadurch mein Knie in Mitleidenschaft gezogen.

„Aufgeben schon nach wenigen Metern — Nein das kommt nicht in Frage – Du musst dich durchbeissen. Streng dich an, fahre den Schmerz weg, mach es so wie Oma es Dir mal erzählt hat“.

Diese Gedanken gingen mir durch den Kopf. Also reduzierte ich mein Tempo und versuchte eine gleichmäßige Geschwindigkeit zu halten, was sich nicht ganz so leicht erwies. Da das Kräfteverhältnis meiner Beine, nicht wie üblich 50:50 ist sondern ungefähr 80:20 zugunsten des rechten Beines ist, war ich ruhiges gleichmäßiges Fahren nicht gewohnt.

landstraße

Die Landstraßen in Niedersachsen zeichnen sich dadurch aus, das sie gut befahrbare Radwege an ihrer Seite haben, was für mich von Vorteil war. denn so konnte ich mich auf gleichmäßiges Treten konzentrieren. So ist es mir tatsächlich gelungen durch langsames Fahren den Schmerz herauszufahren. Leider ließ sich die kalkulierte Ankunftszeit von 16.00 Uhr nicht halten. Zwischen 18 und 20.00 Uhr hatte ich mein erstes Ziel erreicht.

Wie alles begann

Tour-de-France

Eine grosse Fahrradtour – am besten eine Rundfahrt über mehrere Tage ganz nach dem Vorbild der „Tour de France“ ! diese Idee befand sich schon lange bei mir im Hinterkopf. Allein am Mut scheiterte es bisher. An einen Tag nach Hamburg zu fahren das war mir schon gelungen. Aber auf beiden Fahrten war ich nicht allein, beide fanden in Begleitung statt. So entwickelte sich ein Wunsch – eine Idee – eine Vision. Eine Fahrradtour allein über mehrere Tage.

Zu meiner Großmutter war ich ja schon hin und zurück an einen Tag gefahren. 120 Kilometer an einen Tag waren also machbar. Aber wie würde ich täglich mit einer Strecke fertig werden die um die 100 Kilometer lang wäre und auch noch Steigungen, Gegenwind sowie schlechtes Wetter mit sich bringen würde?

Wie

Wie würde meine Frau diese Idee finden? Wo könnte ich übernachten? Was würde so eine Fahrt an Kosten verursachen? Was wäre wenn mir etwas Passiert? Wie lang sollte die Tour sein? Würde ich überhaupt diese Strapazen überstehen und nicht mittendrin aufgeben? Wofür überhaupt so eine Tortur? Es waren Fragen über Fragen die erst einmal geklärt werden mussten. Und keine war leicht zu beantworten.

1976 entstand der Wunsch nach einer eigenen Tour. 1987, nach der letzten Hamburg Fahrt entstand die Idee der Schleswig Holstein Tour. Anfangs war es nur nach Kiel und mit dem Zug zurück. Doch nachdem mir meine Frau, ein Jahr später, grünes Licht signalisiert hatte entstand die Vision einer längeren Rundfahrt.

„Wenn Du so eine Fahrt machen willst dann mußt Du es auch richtig machen, alles andere ist halbherzig und bringt Dir nicht viel“

SH-Karte

Mit diesen Worten motivierte mich meine Frau eine Traumstrecke auszuarbeiten. Auch wenn es immer mein Wunsch war eine mehrtägige Fahrt zu machen, mit einenmal kamen Zweifel auf. Doch mit dieser Motivation im Rücken wurden aus den ursprünglichen fünf oder sechs Tagen ganze 16 Tage. So entstand eine Fahrt die ihren Namen zu Recht trägt

TRAUMFAHRT

Fahrrad-Tour 1989

Schleswig-Holstein-kleine-Karte

Vor 25 Jahren fand meine erste grosse Fahrradtour statt. Genau in diesen Tagen fand sie damals statt. Von Ende Mai bis Mitte Juni. Es war die bewegenste und wichtigste Rundfahrt die ich jemals gemacht habe.

Den Bericht darüber habe ich mir für ein besonderes Datum aufgehoben. Nun ist es soweit. Sie jährt sich zum fünfundzwanzigsten Mal. Einen besseren Zeitpunkt um über meine erste Fahrradtour und wie es dazu kam zu berichten kann es nicht geben. Aus diesen Grund wird es in den nächsten Wochen wieder Reiseberichte geben. Sie werden alle Gedanken und Gefühle beinhalten um diese Tour besser verstehen zu können, um vielleicht auch Menschen zu einer ähnlichen Anstrengung motivieren zu können.

Morgen geht es los.