Gedanken 64

In den letzten Wochen gab es einige Fast – Stürze und jetzt auch einen richtigen Sturz mit dem Fahrrad. Es gibt genügend Ereignisse die bei mir suboptimal verlaufen sind. Das betrifft mich zwar generell aber vor allen in letzter Zeit. Und doch gibt es keinen Grund zum Klagen.

Ich messe meinen Stand, meinen Ausgangspunkt immer an der Zeit im Rollstuhl. Die ersten Tage im Krankenhaus sind für mich der Gradmesser für alle weiteren Ereignisse. Alles was nach der dritten OP im September 1967 kam ist eine Steigerung. Denn von da an wurde alles besser, es ging immer nur aufwärts.. Es gab zwar aber immer wieder Phasen der Rückschritte. Doch die gehören wohl zum Leben dazu.

Und Heute? wo stehe ich? Wie ist meine Weiterentwicklung? Es ist eine Mischung zwischen Gigantisch, unnormal und unglaublich.

Was sind da  schon ein paar Fahrrad stürze ?  oder eine Häufung von Anfällen? Nichts was der Rede wert ist, es ist eher von Glück für mich zu reden.

Bisher ist nichts gravierendes in diesen Jahr passiert und so kann es auch ruhig bleiben. Es ist eben so, sich an vergangenes, an Erreichtes zu erinnern, kann manchmal Hilfreich sein.

Quo Vadis / Gedanken 63

Manche Artikel erfordern eine Vorbereitung, die nicht so schnell zu bewältigen ist. Heute ist es mal wieder soweit. Vor ein paar Tagen ergab es sich so, das ein Freund mit mir auf das Thema „Leselust“ zu sprechen kam. Unwillkürlich waren meine Gedanken im Jahr 1967.

Auch wenn die Ärzte mir etwas über meinen Gesundheitszustand erklärt hatten, verstanden hatte ich es nicht. Doch eines war mir aufgefallen. Meine Gabe, Dinge sofort zu verstehen und mich dann auch klar auszudrücken – die war weg. Das Denken fiel schwer und richtig artikulieren war auch nicht möglich. Vieles konnte ich überhaupt nicht verstehen.

Es war kurz nach meiner fünften OP, man hatte mich in ein Einzelzimmer verlegt und mir war inzwischen bewusst geworden, das Fußball spielen nicht mehr möglich war, ja mir war klar geworden das ich von nun an mit meinen Kopf mit meinen geistigen Wissen arbeiten müsste. Doch wie? Ein Weihnachtsgeschenk war meine Rettung.

Spinne der Torwart, ein Fußballbuch für Kinder.

Beim ersten Lesen fiel es mir schwer alles zu verstehen, doch nachdem das Buch von mir zum dritten Mal durchgelesen war, konnte ich alles begreifen.

Nach ein paar Tagen fiel mir auf das dies ein gutes System werden könnte. Etwas Lesen was mir gefällt und es dann so oft wieder neu zu lesen, bis sich mein Gedächtnis erweitert hatte. Mir war nach dem Lesen, aufgefallen, das es mir leichter fiel einige Zusammenhänge und Wörter besser zu verstehen.

So kam es das rein zufällig eine Bibliothekarin turnusmäßig mein Krankenzimmer betrat, mich grüßte und wieder gehen wollte.

„Wer sind sie“

„wir verleihen Bücher an die Patienten aus unserer Patientenbibliothek. Leider habe ich kein Kinderbuch dabei die sind alle in der Kinderklinik“ sagte sie und wandte sich zum Gehen.

„Halt! ich möchte auch was lesen – es muss nur ein gutes aber dickes Buch sein“

So kamen wir ins Gespräch. Nachdem sie nun von mir wusste das die Karl May Bücher von mir schon alle gelesen worden waren, empfahl sie mir ein ganz besonderes Dickes Buch, das mit Fußball leider nichts zu tun hatte. „Quo Vadis“

Die Übersetzung heisst „Wohin gehst du?“  Es war ein Roman des polnischen Schriftstellers Henryk Sienkiewicz, der die Anfänge des Christentums unter Nero, mit allen dazu gehörigen Grausamkeiten beschreibt. 

Das war zwar schwer zu verstehen, aber mit seinen 621 Seiten genau das richtige. So wurde aus mir ein Bücherwurm der sich mit jeden Buch weiter entwickelte. Ein System was sich auch Heute noch bewährt

 

Gedanken 62

Vielleicht gehen mir zu viele Gedanken durch den Kopf, weil ich zuviel Freizeit habe? Aber diese Freizeit tut mir gut. Immer wieder stelle ich fest ein neues Leben zu haben. Ein Leben in dem meine Gesundheit im Vordergrund steht. Das bedeutet für mich sehr viel Leerlauf, sehr viel Ruhe.

Inzwischen kann sich jeder vorstellen, das diese Maßnahmen bei mir positive Auswirkungen haben. Allerdings wandern meine Gedanken immer wieder ab – in die Zeiten meiner Vorstandsarbeit im Gartenverein. Auch wenn es die anstrengendste Zeit  gewesen ist, es war eine schöne Zeit.

Was mich Heute noch mit Freude erfüllt, ist die Tatsache, das Menschen, in der heutigen Zeit, bereit dafür sind, sich auch von Beeinträchtigten Menschen führen bzw. vertreten zu lassen. Meine These, das jeder alles schaffen kann und sich niemand verstecken muss,  wird dadurch nur bestätigt.

Überlegungen/Gedanken 61

Heute ist Valentinstag, ein Tag an dem  traditionell nichts von mir gemacht wird. Doch diesmal wanderten meine Gedanken in die Vergangenheit, ob ich jemals etwas an diesen Tag unternommen habe um den Verlockungen der Wirtschaft gerecht zu werden? Nach langen Überlegungen war die Antwort eindeutig.

Nein! Für mich zählen die restlichen 364 Tage. Das sind die Tage an denen meine Frau überrascht und verwöhnt werden soll.

Meine Gedanken waren allerdings so tief in der Vergangenheit das sich eine Zeitreise nicht vermeiden ließ.

Früher hatte mir dieser Tag überhaupt nichts bedeutet, und das er für mich jemals in Frage käme war auch nicht ab zu sehen. Es war eher unwahrscheinlich. Mein Problem war meine Gesundheit und die daraus resultierenden Folgen. Doch irgendwann würde dieser Tag auch für mich mal in Frage kommen. Davon war ich fest überzeugt. Doch bis dahin gab es noch viele Hindernisse zu überwinden. Das ging mir damals, bei meiner ersten Wahrnehmung des Valentinstages durch den Kopf.

Inzwischen ist dieser Tag, für mich ein Beleg dafür, was man alles schaffen kann wenn man will und nicht aufgibt, sich Ziele setzt und doch versucht immer Positiv zu Denken.

Gedanken 60

The last time

Heute ist es so weit. Meine letzte Gesamtvorstandsitzung des Landesverbandes ist angesagt. Die Reihe der „letzten Male“, der letzten Sitzungen wird weiter fortgesetzt. Es ist jetzt an der Zeit auch mal über meine Zeit als Gartenfunktionär nach zu denken.

Was den Gesamtvorstand betrifft war es eine durchweg positive Erfahrung die ich in den letzten zwei Jahren gesammelt habe, was die IG betrifft war meine Erfahrung nicht anders. Was meinen eigenen Verein betrifft war es eine spannende Erfahrung die ich intensiv durchlebt habe. Fast alle meiner anfänglichen Ziele sind erreicht worden. Sogar meine Ziele die für 2018 angedacht waren sind erreicht worden.

Es gab Vorbehalte gegen mich, es gab genügend kritische Stimmen gegen mich. Im Verein und auch im Vorstand. Es gab Sitzungen die wirklich Kraft gekostet haben, es gab Momente die nicht zum Lachen waren.

Aber all diese negative Aufzählungen hielten sich in Grenzen. Verteilt auf die dreieinhalb Jahre, kann ich soviel positive Erlebnisse dem entgegen stellen, das mein Herz lacht und mit einen Gefühl der Wärme versehen wird. Dieses Engagement das die Kleingärtner an den Tag gelegt haben, war schon beeindruckend. Vieles war ungewohnt für mich, denn hier wurde alles ohne große Anträge zeitnah und mit den betroffenen Personen direkt erledigt.  Einladungen wurden nicht an den Landesverband geschickt, damit dieser sie zentral weiter an die Mitglieder schickt, so wie es in der Politik oft der Fall ist.

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Wir trafen uns Abends oder am Wochenende und haben die ca. 500 Briefe eingetütet und mit Adressaufkleber versehen, um sie dann zu verschicken, Dabei fiel mir noch die geringste Arbeit zu. Oder wenn wir mit mehren zu Kleingärtnern gegangen sind um etwas zu bemängeln. So manche Abende in kleinen Kreis, werden mir auch angenehm im Gedächtnis bleiben. Selbst für diejenigen die oft kritisiert haben, gibt es einen positiven Platz in meinen Gedankengängen. Sie haben die jeweiligen Punkte nur aus ihrer fachspezifischen Warte gesehen. Sie hatten selten böses im Sinn.

Es ist nicht normal das man nach einer so langen so intensiven Zeit, hauptsächlich Positives über einen 13 köpfigen Vorstand sagen kann. Doch diese Gruppe von Menschen war lernwillig und hat ihre Freizeit für den Gartenverein geopfert. Da jeder eine andere Sichtweise hat musste es natürlich zu kurzfristigen Konflikten kommen. Vor allen deswegen weil mein Schwerpunkt immer erst auf meiner Gesundheit lag sowie meiner Frau, erst dann kam der Gartenverein.

Somit lagen wir nicht immer auf einer Linie. Die einen zu 100%, ohne Rücksicht auf die eigene Gesundheit, dagegen stand meine Philosophie. Viel Einsatz und doch der Schwerpunkt Gesundheit, sowie das Wissen das es noch mehr als das Vereinsleben gibt und dementsprechend die Bereitschaft dieses auch zu genießen.

Es war schön dieses Gremium in einer so entscheidenden Phase leiten zu können, In meinen Gedanken werde ich diese Zeit ausschließlich positiv mit angenehmen Menschen behalten. Eine Zeit die ich nicht missen möchte.

Gedanken 59

Eigentlich sind es ganz normale Tage in dieser Woche. Aber nur eigentlich, denn es sind auch besondere Tage. Wenn mein Erinnerungsvermögen stimmt, sah es vor 46 Jahren so aus, das mir die Ärzte am 27.1.67 gesagt haben:

„Morgen werden Deine Fäden gezogen, dann warten wir deine Reaktion ab und dann wirst Du entlassen“

Es ist nicht viel was mir im Gedächtnis geblieben ist was ich in den 24 Wochen Krankenhaus erlebt habe, aber diese Worte und die Ärzte wie sie vor mir standen, sind unvergesslich.

 

Normalerweise kommen diese nostalgischen Gedanken nicht mehr vor. Doch durch den Unfall von Michael Schumacher durchlebe ich diese Zeit gerade ziemlich intensiv. Für mich bedeuten gerade diese 3 Tage sehr viel. Aus ihnen nehme ich auch die Zuversicht das es M.S bald so ergehen könnte wie mir. Denn sogar Heute verläuft sein Krankheitsverlauf immer noch identisch zu dem meinigen.

Grund genug für mich weiterhin Positiv zu denken. Irgendwann wird auch er diese drei Tage erleben. Sie bedeuten jedes Jahr immer wieder Freude

Abschiedsspiel / Gedanken 58

Abschiedsspiel 

Am Samstag waren meine Frau und ich beim Abschiedsspiel von Torsten Frings. Es war ein ein Wiedersehen mit Stars von Gestern. Ein Ausflug in die Historie des Sports, denn sogar Michael Schumacher war bei diesen einzigartigen Erlebnis.

 

Montag fiel mir auf das nicht nur der Samstag im Zeichen der Vergangenheit stand, sondern das Oldies im Augenblick meine bevorzugte Musik sind. Prompt gingen meine Gedanken an das Sweet Konzert zurück. Danach war meine Angst gross das es mir genau so ergehen könnte, wie denen die nur in der Vergangenheit leben.

Doch, so gingen meine Gedanken weiter,  scheinbar bin ich lernfähig. Denn mein Blick mein Denken ist nach wie vor Zukunftsorientiert und nicht nur in nostalgischen Gefühlen gefangen. 

 

Mit diesen Wissen ausgestattet kann ich jetzt nicht nur beruhigter Oldies hören, es ist auch angenehmer über Veranstaltungen wie z.B. das Abschiedsspiel nachzudenken.

Vor allen wird dieses   „Ja früher war…“ nicht zu meinen bevorzugten Sprachschatz gehören, obwohl es viel leichter ist den Blick zurück zu machen. Aber auch in den nächsten Jahren soll und wird es auch meine Stärke bleiben.

idee

Nachdenken – Ideen haben – und auf das Leben von morgen ausgerichtet sein.      

Gedanken 57

Der Sohn meines besten Freundes fängt gerade seine Ausbildung an, beginnt mit der Arbeit jedoch ein paar Tage später.

Unwillkürlich gingen meine Gedanken 39 Jahre zurück. Denn mein Arbeitsleben begann auch im August. Theoretisch bin ich seit dem 1.8.1974 Berufstätig. In Wirklichkeit war mein erster  Arbeitstag aber Montag der 5. August.

Während seines gerade erst beginnt, neigt sich das meinige dem Ende zu. Das erste was mir meine Eltern damals gesagt haben, war das ich für die Rente arbeiten muss.

 

„Halte durch, egal wie schwer es auch wird. Du belohnst Dich selbst mit deiner Rente“

Inzwischen weiß ich. Es ist eine lange Zeit. Eine Zeit voller Tiefen und Höhen, eine Zeit die noch nicht zu Ende ist.

 

Ich hatte ein klares Ziel vor Augen, dabei hätte es eine Vielzahl von Möglichkeiten gegeben, frühzeitig aus dem Berufsleben auszusteigen.

Damals wie Heute kam das für mich aber nie in Frage. Zur Not habe ich mir immer wieder klar gemacht, das man kämpfen muss um ein Ziel zu erreichen. Das was andere in meiner Situation machen würden ist für mich nicht relevant.

 

Das was für mich zählt, ist einzig mein vorgegebenes Ziel. Das ist der 27.7.2017 

Damenfußball Teil 3

Freude war das Schlüsselwort. Denn daraus ergab sich ein Gemeinschaftsgefühl, daraus ergab sich ein Gefühl der Stärke und daraus ergab sich dieser Wille „Wir zeigen das wir gut sind“. Den Grundstein dazu hat mein Andy-Toast gelegt. (Habe ich am 3.5.2009 beschrieben)

Diese Kalorienbombe war Grund genug sich immer wieder in meiner kleinen Junggesellenwohnung zu treffen wodurch wir immer mehr zu einer festen Einheit wurden. Inzwischen nahm die Zahl der Schaulustigen, beim Training, ab weil die Mädchen immer besser wurden. So nach und nach entwickelte sich die Mannschaft in der Liga und gewann des öfteren.

Die zwei Mädchen die mir anfangs aufgrund ihrer Sportuntauglichkeit die größten Probleme bereitet hatten, waren jetzt eine feste Größe im Team. Sie hatten beide mehr Schwächen aber jeweils eine Stärke. Genau diesen Punkt haben wir ausgebaut und uns nur darauf konzentriert. So hatte ich eine groß gewachsene Abwehrspielerin die sich nicht täuschen ließ weil sie nur auf den Ball(eine Gabe die nicht jeder hat)) sah und in der Luft jeden Ball bekam und ich hatte eine Klette! Eine Spielerin die erst kurz vor Beginn oder während des Spiels ihre Rolle bekam, dann war sie für das ganze Spiel immer bei der stärksten Spielerin des Gegners und wich ihr nur während der Pause von der Seite.

So bekam jedes Mädchen wichtige Aufgaben zugedacht die speziell auf sie und ihre Pluspunkte ausgerichtet waren. Auch wenn es den meisten anfangs schwer fiel, sie haben sich alle an die Vorgaben gehalten und das gespielt worin sie stark waren. Sie haben nicht so oft, wie Herren es gerne machen,  versucht zu zeigen was sie gerne spielen würden sondern an die Mannschaft gedacht. Die wenigen Spielerin die bei diesen System aus der Reihe tanzten wurden nicht von mir sondern von der Mannschaft erzogen.

 

So wuchs aus einen belächelten undenkbaren Projekt eine Mannschaft zusammen die am Ende ihrer ersten Saison Platz 3 belegte und mit einenmal vier weitere Trainer hatte die alle den süßen Duft des Erfolges genießen wollten.


Damenfußball Teil 2

 Meine unmögliche Mission wurde zu einer wahren Herausforderung. So langsam gelang es mir aber die Begeisterung hochzuhalten und den Ehrgeiz zu wecken. Inzwischen hatte ich es geschafft ihnen ein wenig Taktik beizubringen, was sich jedoch immer wieder als zu gutgläubig erwies denn die jungen Frauen ließen sich nur ungern etwas sagen was meistens eine deftige Niederlage nach sich zog. Es war an der Zeit einen anderen Weg einzuschlagen.

Es gab die nächsten Wochen keine Taktik und auch keine Grundkenntnisse von mir. Stattdessen ließ ich sie im Training laufen und versuchte in Einzelgesprächen jeder zu erklären wie wichtig, gerade sie für die Mannschaft wäre, denn früh hatte ich erkannt das in jeder Spielerin das ein oder andere Talent schlummerte. So gelang es mir alle von ihren Fähigkeiten zu überzeugen. Selbst bei den hoffnungslosesten Fällen war ich zuversichtlich. Denn gerade sie zeigten Ehrgeiz, Willen und Bereitschaft sich zu quälen um der Mannschaft helfen zu können.

Das größte Problem war aber nicht ihre unerfahrenheit im Spiel sondern die Vorurteile mit denen sie zu kämpfen hatten. Anfangs waren sie die “süßen kleinen Mädchen”

 

kaum waren die ersten Spiele gewonnen wurden sie zu “Mannweibern” bestenfalls zu Emanzen. Es gab also genügend Gründe um mit dem Fußballspielen aufzuhören. Doch sie bissen sich durch. Da sie innerhalb des Vereins auch noch als Exoten angesehen wurden förderte ich die Gemeinschaft denn es sollte ja Spass machen und nur über Freude kommt man zum Erfolg.

   

 

Morgen kommt der letzte Teil