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Damenfußball oder Gedanken 54

„Glaube versetzt Berge“ heißt es so schön in einen Sprichwort.

So ging es mir heute morgen durch den Kopf als ich an gutes Wetter gedacht habe, denn ich bin davon überzeugt das in 3 Wochen, wenn ich Urlaub habe nur gutes Wetter sein wird. Ob mein Glaube diesmal reicht weiß ich nicht. Da sich gerade alles um Fußball dreht fiel mir eine Geschichte ein bei der nicht viele an den Erfolg geglaubt haben. 

Als ich damals mit der Damenfußballmannschaft anfing wurde das von vielen belächelt und kaum einer glaubte an ein Gelingen dieses Projekts, vor allen mit mir als Trainer schien das undenkbar und nach 2 Spieltagen sahen sie sich bestätigt. 0:12 und 0:6 gingen die ersten Punktspiele für uns verloren.

 

Doch sowohl die Mädchen als auch ich, wir waren von uns überzeugt. Wie sehr wir gewillt waren konnte man schon beim ersten Sieg sehen. 14:0 war genau die richtige Antwort. Meine Mannschaft war nach dem 3. Spieltag in der Liga angekommen.

Teilweise konnte ich meine Kritiker ja verstehen denn die meisten Mädchen hatten noch nie gegen den Ball getreten oder sogar noch nie Sport betrieben. Meine feste Größe waren 3 Handballerin. Es war ein bunter Haufen junger Frauen die einfach Fußball spielen wollten. Da stand ich nun mit meinen unerschütterlichen Glauben. Erst einmal mußte ich ihnen die Regeln beibringen und vor allen das es nicht auf Schönheit sondern auf Gemeinschaft ankam.

 

Eine Baustelle reihte sich an die andere. Die größten Probleme bereiteten mir 2 Spielerin die überhaupt nicht für Fußball geeignet waren und die wahrscheinlich auch nie länger als 10 Sekunden gelaufen waren, so schien  es zumindest. Kurz zusammengefasst erschien es wie eine „mission impossible“ oder auf Deutsch, es schien wie eine unmögliche unlösbare Mission. Vor allen hatten wir mit Vorurteilen

 

zu kämpfen und doch war ich von meinen Mädchen überzeugt und habe fest an den Erfolg meiner Mannschaft geglaubt.

Aber das erzähle ich morgen

Ü30

Gedanken! das wäre eigentlich der richtige Tiel für heute.

Kontaktschuppen, Baggerschuppen das sind nur zwei von vielen Bezeichnungen die viele der Ü30 Discotheken über sich ergehen lassen müssen. Das ist in meiner nicht anders. Und, ja es stimmt. Hier werden viele Kontakte geknüpft, z.T. auch sehr innige. Ich betrachte das immer wieder gerne und mache mir dann meine Gedanken.

Wer bzw. was ist das Stammpublikum? Es sind Ehepaare aber vor allen Menschen die in einer Beziehung leben. Am meisten sind es jedoch Singles. Also Menschen die auf der Suche nach einer Beziehung sind, Menschen die mehr den persönlichen Kontakt suchen als sich ausschließlich auf Kontaktanzeigen oder Internetportalen zu konzentrieren. Denn eines haben fast alle Singles gemeinsam: Die Sehnsucht nach einen Leben in Zweisamkeit, einen Leben mit einen festen Partner auf den man sich verlassen kann, der einen, möglichst das ganze Leben, begleitet.

Das ist es was ich immer wieder heraushöre in den Gesprächen die ich habe. Wenn ich dann morgens nach Hause gehe bin ich oft genug doppelt zufrieden. Ich hatte Musik nach meinen Geschmack und das Wissen, das ich etwas habe wonach sich andere sehnen. Diese Gedanken habe ich nicht immer immer gehabt, aber nachdem ich in den letzten Jahren immer öfter diese Begehrlichkeiten gehört habe, fing ich an diese Nächte mal anders zu betrachten. Diesmal habe ich eine kleine Spekulation hinzugefügt. 

Warum sind so wenig bis gar keine Behinderten in Discotheken? Diese Frage habe ich mir jetzt des öfteren gestellt und habe mich auf folgende Variante festgelegt:

Natürlich es können die ganz normalen Ängste sein, die jeder Behinderter hat (habe ich schon mehrfach von mir berichtet) es können auch die Barrieren sein die noch oft vorhanden sind, es kann aber auch so sein das viele Behinderte einfach schon verheiratet sind. Wenn ich demnächst wieder viele auf unseren Parteitag treffe wird es wahrscheinlich so sein wie es die letzten 10 Jahre immer war. Die meisten sind verheiratet. Sie sind alle zufrieden, denn sie suchen nicht nach einen Vorbild a la Hollywood, sie suchen einen Partner der zu ihnen passt und freuen sich des Lebens. Zu dieser Erkenntnis bin ich jetzt gekommen und sie gefällt mir, zeigt es mir doch das sie den Sinn des Lebens, im Gegensatz zu einigen Singles, erkannt haben. Sie leben realistisch und bodenständig denn sie brauchen nicht irgendwelchen Träumen hinterher laufen.

Vielleicht habe ich in meinen Leben nicht alles richtig gemacht, aber eines auf jedenfall! Ich habe die richtige geheiratet und bin jetzt schon über 28 Jahre verheiratet. Mit diesen Wissen ausgestattet kann ich immer beruhigt einschlafen, denn so behindert können Behinderte nicht sein, wenn sie gerade einen der wichtigsten Abschnitte in unseren kurzen Leben verstanden haben. Und so lautet mein kurzes Fazit immer:

Die körperlich „Gesunden“ haben keinen Grund sich als was besseres zu fühlen          

Discothek

Inzwischen waren es keine Beatclubs mehr sondern Diskotheken, was sich im laufe der nächsten Jahre auch wieder änderte und so sind es heute Discotheken.  

Einige Jahre später wohnte ich alleine. Das war der Start in die endgültige Freiheit, nun konnte ich überall hingehen und so lange bleiben wie ich wollte.

So selbstsicher ich nach außen wirkte, wenn ich dann in einer Discothek war, so chaotisch ging es in meinen Innern zu. Nervös, verwirrt, unsicher, ängstlich – so sah es jedesmal in mir aus. Und jedesmal stellte ich mir die Frage „Warum bist du so durcheinander?“ Die Antwort war auch immer gleich, denn ich wußte es nicht und konnte es mir auch nicht erklären. Anstatt dann nach Hause zu gehen, blieb ich immer stehen und habe mich gequählt indem ich mir gesagt habe, das es für mich eines Tages mal von Nutzen sein könne wenn ich das überstehe.

Dieses Problem bestand jedoch nur dann wenn ich allein unterwegs war und noch niemanden kannte. In der Nähe von Freunden fühlte ich mich sicher und geborgen. Mein äußeres Bild entsprach auch dann dem inneren.

Die Jahrtausendwende habe ich für einen Neuanfang genutzt bzw. es versucht. Nach etlichen mißlungenen Versuchen habe ich meinen ganzen Mut zusammen genommen und bin in eine Discothek gegangen um dort am darauffolgenden Wochenende wieder hinzugehen. Es war nicht leicht zwei mal hintereinander in eine Disco. Das war mir schon lange nicht mehr gelungen. Nur so konnte es ja nicht weitergehen. Jedesmal diese Ängste, das passte nicht zu mir und erzählen konnte ich es keinen, man hätte es mir nicht geglaubt. Doch ich hatte Glück und traf ein paar Freunde, die mir unbewußt eine große Hilfe waren, denn ich fühlte mich sicher.

So entwickelte sich ein Gefühl das mir abhanden gekommen war. Eigenständiges Selbstbewußtes auftreten ohne Freunde in der Nähe zu haben. Dieser Prozeß hat wohl einige Jahre gedauert und wird auch nie ganz abgeschlossen sein. Es ist zwar nicht vorbei mit diesen ständigen Gedanken „Ob die mich gerade ansehen? Warum sehen die nach mir? Was mögen die wohl Denken?“

Das sind nur einige von vielen Gedanken die in meinen Kopf herum schwirren. Es ist also nicht nur die Musik die mich an diesen Abenden begeistert, es sind auch die Freunde aber vor allen dieses ständige trainieren der inneren Selbstsicherheit. Dadurch das ich mich nur noch in eine „ü-30 Discothek“ begebe bin ich wenigstens unter gleichaltrigen.

Beatclub

Heute arbeite ich die 3 Wochen Strohwitwer auf, dabei konzentriere ich mich auf die Disco Abende und mein Stammlokal, genauer gesagt einen Bistro – das Chateau. Vieles davon habe ich schon geschrieben, aber scheinbar kann ich es nicht oft genug wiederholen. Darum werde ich im Gedanken auch weit zurück gehen.

Angefangen hat alles gut 2 Jahre nach meinen Unfall, das war 1969. Die Diskotheken schossen damals wie Pilze aus dem Boden. Einen Schönheitsfehler hatten sie jedoch, genau genommen waren es drei, zumindest für meine Freunde und Altersgenossen sowie auch für mich. Um in eine Disco zu gelangen mußte Eintritt bezahlt werden, gepflegte Kleidung war eine weitere Voraussetzung, dazu kam noch das man mindestens 18 Jahre alt sein mußte. Es gab für uns also kaum eine Chance die nächsten Jahre diesen neuartigen Treff genießen zu können.

Zum Glück gibt es immer pfiffige Zeitgenossen. So kam einer vons uns auf die Idee unseren Pfarrer zu überzeugen. Beim Konfirmationsunterricht haben wir ihm klargemacht, das wir keine Kindernachmittage mehr wollten. Die Kirche solle sich für uns einsetzen das wir in normaler Kleidung und ohne Eintritt in die Disco kommen könnten. Der Pfarrer war eigentlich unser Ansprechpartner in dieser Zeit, er setzte sich ziemlich oft für uns ein. Manche Eltern sprachen sogar von ein Revolutionär. Allein deswegen genoߠ er unser Vertrauen. Schon nach kurzer Zeit hatte er eine Lösung gefunden. Einen Beatclub! Im Keller, dem Gemeinschaftsraum der Kirche, sollte es jeden Freitag ab 18.00 Uhr einen Disko Abend geben.

Ich weiß nicht mehr genau was gespielt wurde. Das meiste gefiel mir nicht so richtig, aber es waren keine Schlager, und das war auf jedenfall gut. Wenn ich an diese Zeit zurückdenke überkommt mich immer ein Gefühl der Freiheit. Es war der erste Mal das ich, zusammen mit Freunden, gegen die Welt der Erwachsenen gewehrt hatte. Wir hatten uns für ein Ziel eingesetzt und waren am Ende erfolgreich.

So entstand mein erster Bezug zu Diskotheken. Für mich bedeuteten diese Freitag Abende aber viel mehr. Endlich war ich allein. Normalerweise war ich immer auf eine gewisse Art und Weise unter Aufsicht. In der Schule, zuhause oder mit meinen Eltern unterwegs, oder am Treffpunkt unserer Clique, der aber von unserer Wohnung aus immer zu sehen war. Das war jetzt ein neues Gefühl, ein Gefühl der absoluten Freiheit, das hin und wieder mit den Stones musikalisch einen Höhepunkt erreichte. Es war keiner da, der mir kluge Ratschläge gab oder der mich schräg ansah. Gut, wenn die Motorradfahrer aus anderen Stadtteilen kamen konnte es schon mal vorkommen, aber für den Fall hatte ich immer Freunde die mir sofort zur Seite standen und die anderen sofort aufklärten. Damals entstand dieses Gefühl der Sicherheit wenn ich mit Freunden unterwegs war. Im Laufe der Zeit verschwanden diese Gefühle der Unsicherheit, der Nervosität oder der Hemmungen, sowie „mache ich alles richtig? stehe ich keinen im Weg?“ usw.

Es gibt soviel Ängste die sich aufbauen können und die dann immer größer immer stärker werden. Fast jedesmal sind sie der Ausgangspunkt für unsicheres Verhalten, ansteigende Nervosität und Verkrampfungen. 

Wenn ich es genau betrachte, habe ich mir damals das erste mal Selbstbewußtsein geholt. Das Gefühl ständig einen Anfall zu bekommen verschwand auch zusehends und ich wurde sicherer und selbstbewußter in meinen Auftreten. 

Nächste Woche geht es mit „Discothek“ weiter

Gedanken 47

Gestern bin ich mal wieder kreuz und quer, mit dem Rad durch die Stadt gefahren. Am Ende kamen über 40 Km heraus. Das ich mich nach diesen ganzen Hin und Her Fahren noch so gut gefühlt habe, war ein schönes Gefühl. Da ich manchmal auch lange Streckenabschnitte dabei hatte, an denen ich nur geradeaus fahren brauchte, konnte ich meinen Gedanken freien Lauf lassen:

„Vor ein paar Jahren wäre das nicht möglich gewesen“ dachte ich mir. Wenn ich 4 oder 5 Jahre zurückdenke, mußte ich feststellen das ich ein ganz anderer Mensch war. Ängstlich, Verunsichert, mit der Tendenz zur Schwarzmalerei. Daraus ergab sich, das ich gesundheitlich ziemlich angeschlagen war und ich beinahe mit Fußball spielen aufgehört hätte. Meine körperliche Konstitution war nicht die beste. Eigentlich habe ich mich nur mit Durchhalteparolen durchgekämpft.

Ich zog mich durch meine Art und Weise zu Denken immer weiter in ein „Tal der Tränen“. Leider machte sich dieser Abwärtstrend bei mir in jeder Beziehung bemerkbar. Ich war einfach nicht in der Lage „Positiv Denken“ zu können. Ständig habe ich an alle negativen Möglichkeiten meines Lebens gedacht. Im Unterbewußtsein wußte ich das mein Verhalten falsch ist, nur konnte ich es nicht ändern.

Irgendwann konnte ich mir es zwar wieder einreden, „das alles gut wird“ Das war zwar schön, geholfen hat es leider nicht. Ich fing sogar schon an dieses Lebensmotto das ich mir immer wieder ins Gedächtnis rief, in Frage zu stellen. Und doch habe ich es mir immer wieder gepredigt, auch an den Tagen an denen es mir richtig schlecht ging.

Eines Tages konnte ich mein Wissen über das Gehirn richtig verarbeiten ohne dabei gleich wieder in das Denkschema der voran gegangen Jahre zu verfallen. Ich war mit einenmal in der Lage die Eigenheiten des Gehirns und deren Folgen zu erkennen. Ich wußte mit einenmal das mein Kopf seinen eigenen unerklärlichen Weg geht. Das Gehirn ist eines der letzten unerforschten Körperteile des Menschen. Wie soll ich es verstehen und erklären? Mit diesen Wissen ausgestattet, war mir klar, das ich auf das Gehirn, die Schaltzentrale des Menschen, nur bedingt Einfluß nehmen kann. Am besten ist es wenn ich mich vorbildlich, aus medizinischer Sicht verhalte.

Das war der entscheidende Punkt für mich auf dem Weg zur Besserung. Was genau der Grund ist und wie ich es geschafft habe das ich jetzt wieder so unbeschwert leben kann frage ich mich manchmal. Eine eindeutige Antwort kann ich nicht darauf geben. Es war ein Mix, der aus Zuversicht, Willenskraft und vielen anderen Faktoren besteht. Es ist halt so wie immer: Um erfolgreich zu sein, mußt du alles geben

Gedanken 46

So verregnet war mein Urlaub noch nie. Aber es hat auch etwas Gutes. Ich habe sehr viel Zeit zum Nachdenken.

So fiel mir eine Begebenheit ein, die sich vor einigen Jahren ereignet hatte. Ich war gerade zum Behindertenbeauftragten gewählt worden. Leider weiß ich nicht mehr genau wo sie sich abgespielt hat. Von meinen Erfahrungen her kann das leider überall der Fall sein.

Einer, der besonders lustig sein wollte, sagte das ich jetzt „Der König der Untermenschen“ sei. Zum Glück merkte er sofort das dies kein Scherz war und korrigierte sich auch auf der Stelle.  Ich habe es ihm nicht übel genommen. Gleichzeitig zeigt es aber auch wie schwer es Menschen haben die Beeinträchtigt sind. Auf der einen Seite werden sie scheinbar akzeptiert und ernst genommen, auf der anderen Seite werden bemitleidet und letztendlich bei viel zu vielen doch nicht immer ernst genommen.

Viele der  „Körperlich Gesunden“ gehen davon aus das sie der Maßstab des Lebens sind. Nur wer vollkommen Gesund ist hat das Recht als vollwertiges Mitglied der Gesellschaft betrachtet zu werden. Die Arroganz gegenüber Behinderten ist manchmal erschreckend. Selbst bei denen die vorgeben Verständnis zu haben ist immer noch eine Portion Überheblichkeit zu spüren.


Ich habe damals einfach geschwiegen und versuchte stark zu sein. Doch das ist leichter gesagt als getan, kann ich nur sagen. Leider passiert so etwas immer wieder und verursacht eine ständige innerliche Verunsicherung. Das Gefühl es immer besonders gut und besser als andere zu machen. Das bezieht sich auf alle Lebenslagen und wird wohl auch für immer so bleiben, denn Behinderte müssen wohl das doppelte oder dreifache an Leistung bringen um zu zeigen das sie keine „Untermenschen“ sind.

Zum Schluss diesmal ein kleiner Nachsatz: Ich hoffe nicht das einer, derjenigen die einmal solche diskriminierenden Äußerungen von sich gegeben haben, eines Tages ein „Untermensch“ sind. Oder um es aus meiner Sichtweise zu sagen, einmal ein Behinderter Mensch sind.

Dankbar

„Das Leben dankbar annehmen“

diese Worte verfolgten mich länger als mir lieb war. Vieles von dem was ich mir an dem Tag vorgenommen hatte mußte ich erst einmal richtig einordnen. Mit dem Alkohol hatte ich meine Schwierigkeiten, das ging nicht ganz so leicht wie ich es mir vorgestellt hatte. Jedes mal wenn ich der Meinung war dieses Kapitel abgeschlossen zu haben, kam noch eine „Ausnahme“ dazu. Im Mai 78 ist es mir dann doch mit Blick auf meine Gedanken,

„Du willst Gesund sein, du willst eigenständig sein, du willst ein Leben mit Perspektive führen! Dann reiß dich zusammen und mach es so wie damals als du aus dem Koma erwacht bist. Fange von vorne an und kämpfe.“

gelungen. Entscheidend war meine Willenskraft.

Ich hatte nie wieder einen so starken Anfall, jetzt hatte ich wirklich nur noch Jackson Anfälle oder Sekundenanfälle.

Ende 78, Anfang 79 ging es mit mir auch aufwärts, die schlimmste Zeit war überstanden. Mein Gang wurde immer besser,  das Radfahren wurde auch sicherer usw. Bis ich aber wirklich zufrieden sein konnte vergingen noch weitere 12 Jahre. 

In den ganzen Jahren hat mich der oben genannte Satz begleitet, woraus sich zwar kein Helfer-Syndrom entwickelt hat, aber die Bereitschaft Freude zu verbreiten, Gutes zu tun, die ist bei mir stark ausgeprägt.

Eine positive Lebenseinstellung ist besser als alles in Frage zu stellen, denn das Leben ist kann so leicht und schön seien, warum unnötig schwer machen?    

5 Zentimeter Teil 2

Es war nicht die Unzufriedenheit allein die mch beihnah ins Verderben geführt hat. Meine Gesundheit hatte gelitten, mehr als mir lieb war. Der Alkohol hatte seine Spuren hinterlassen. Das sah man mir auch deutlich an. Ich sah so verbraucht, so ausgemergelt und herunter gekommen aus, das man davon ausgehen konnte mich nur noch für kurze Zeit sehen zu können. All das hat mich nicht gestört.

„Laß sie doch alle reden, was sie wollen, ich mach einfach was mir gefällt“

das habe ich oft genug gedacht, und habe damit immer alle Bedenken vom Tisch gewischt. An das alleinsein abends hatte ich mich gewöhnt, auch das ich noch keine feste Beziehung hatte, störte mich inzwischen nicht mehr, dafür umgarnte und flirtete ich inzwischen mit ziiemlich vielen Mädchen. Zumindest war das an den anfallsfreien Tagen so. Doch mit zunehmender Zeit häuften sich meine epileptischen Anfälle, und das ging an die Substanz, es zog mich immer ein bißchen mehr in einen Strudel. Jedesmal wenn es mich erwischte versuchte ich mir einzureden, das es nur ein Jackson Anfall sei. (Ich möchte hier nicht auf die genaue medizinische Beschreibung eingehen, das kann jeder googlen. Ich gebe bewußt nur mein damaliges Empfinden weiter)

Es fing alles recht harmlos an. Anfälle genau genommen Sekundenanfälle hatte ich des öfteren. Inzwischen hatte ich es gelernt sie so lange hinauszuschieben, bis ich allein in meiner Wohnung war. Sie fielen dann zwar etwas heftiger aus und dauerten auch etwas länger, aber außer mir bekam das ja keiner mit. So konnte ich damit leben. Mit der Zeit fing ich jedoch an am Leben zu zweifeln.

„Warum? Warum so kräftig? Ich akzeptiere doch das ich gelähmt bin, das ich krank bin, das ich ein anderes Leben führen muß, das ich epileptische Anfälle habe.“

Damit setzte sich ein Prozeß in Gang der kaum noch aufzuhalten war und mir so langsam auch den Blick fürs Positive schwinden ließ. Anfangs saß ich nur auf meinen Sessel und ertrug es wenn sich meine Finger und sofort die Hand verkrampften. Der linke wurde direkt darauf vom Schütteln erfasst. Beim nächsten Schub kam ein kleines Zucken in der linken Körperhälfte dazu und mein linkes Bein wurde erfasst.  – 5 Sekunden Pause – dann ging es genauso weiter, nur das es jetzt bis zu den Zehen ging. Die ganze linke Körperhälfte war jetzt vom Zucken erfasst. Da ich voll bei Bewußtsein war mußte ich das alles haargenau ertragen, jeder Blitz der durch meinen Körper schoss kostete Kraft und ging an die Substanz. In der Regel dauerte diese Phase 3-5 Minuten und ich wand mich ziemlich oft um mich selbst. (Die genaue Zahl meiner Verrenkungen weiß ich nicht) Irgendwann war diese leichte Form der Anfälle vorbei und ich war bei 11, 14 oder sogar mehr Minuten angelangt. Da mein Bett nur 2 Meter von meiner Couchkomination entfernt war suchte ich inzwischen schon gleich das Klappbett auf wenn es losging. Mit einer Art Galgenhumor versuchte ich immer, mit einen Blick auf die Uhr, kleine Erfolge festzustellen.  So wie das ich mich darüber gefreut habe das es diesmal nur 14 Minuten und nicht 18 Minuten, wie am Vortag, waren die meinen Körper durchzuckt haben. So langsam kam ich an den Punkt wo mich auch die kleinen Erfolge oder Bestätigungen nicht mehr beeindruckten.

Positiv denken ist ja gut und schön, nur das war die Hölle da war nichts gut, so empfand ich es am Schluß

Der entscheidende 3. Teil folgt Montag     

5 Zentimeter

TEIL 1

Es war ein Jahr der Gegensätze das ich hinter mir hatte. Eine bessere Achterbahnfahrt, wie 1976/1977, der Gefühle kann es nicht geben. Es gab Höhen und Tiefen, wobei sich die Tiefen hauptsächlich auf meine Gesundheit bezogen.

Im April 76 war ich von Zuhause ausgezogen und bezog im 2. Anlauf eine Single-Wohnung (33qm). Eigentlich hätte der Auszug schon im Dezember stattfinden sollen. Da hatte ich mir beim Fußball jedoch das linke Handgelenk gebrochen. Im nachhinein erwies es sich als mein Glück, denn ich konnte die vorgesehene 28 qm kleine Wohnung, am äußersten Stadtrand nicht mehr beziehen. Jetzt wohnte ich 15 Minuten näher zur Stadtmitte bzw. zur Universität. Dementsprechend war ich die erste Zeit nach dem Einzug motiviert und alle gesundheitlichen Beschwerden, die ich hatte, habe ich einfach ignoriert. Ich war glücklich und zufrieden. 

Doch die heile Welt verschwand immer mehr. Auf der Arbeit lief alles schief und meine epileptischen Anfälle wurden immer stärker. Am schlimmsten empfand ich es immer noch keine feste Freundin zu haben, das zerrte an meinen Nerven, es machte mich unsicher. Schon war ich in einen Teufelskreis der Gefühle. Jeder noch so kleine Erfolg, und sei es nur ein Lob für das korrekte Einstellen von Büchern auf der Arbeit, löste Begeisterungsstürme bei mir aus. Leider war meine Freude, in den meisten Fällen, nur von kurzer Dauer. Eine Unachtsamkeit, mangelde Konzentration oder ganz einfach Fehler aus Unwissenheit. Positives wurde relativ schnell durch  Negativerlebnisse überdeckt. Auf der Arbeit führte das dazu das ich das 2. und entscheidende Lehrjahr wiederholen mußte. Das ließ mich auch jeder spüren, denn die Ausbilder empfanden es als persönliche Schande, vor allen weil es das bisher noch nicht gegeben hatte. Es dauerte nicht lange und ich empfand es als Psychoterror.

Verheerend erwies sich für mich eine ganz andere Sache, was ich aber erst etliche Jahre später realisiert habe. Bedingt durch eine Umstellung meiner Medikamente wurden die Epileptischen Anfälle zwar etwas weniger, gleichzeitig veränderte sich aber auch mein Verhalten. Ich wurde etwas ruhiger und hatte somit auch das Gefühl belastbarer zu sein. (Mein damaliger Arzt hatte mir Psycopharmaka verordnet die mein Wesen total beeinflußt haben) Ich war nicht mehr ich, was nach und nach, zu einer ständig steigenden Unzufriedenheit führte.

Doch einen Retter gab es für mich!

Alkohol!

Das war schön. Je mehr ich davon konsumiert hatte, umso mehr stieg mein Selbstbewußtsein, umso schöner und entspannter erschien mir die ganze Welt. Somit hatte ich mir einen perfekten Teufelskreis erschlossen. So schön das Gefühl auch war für meine Gesundheit war es Fatal, denn mein Anfallsleiden wurde vom Alkohol beeinflußt. Bei mir entwickelte sich immer mehr eine Tendenz. Die zeigte nur nicht nach oben sondern nach unten, was ich allerdings ganz anders sah. Ohne Alkohol  – Eingeschüchtert,Ängstlich, Nervös. Mit Alkohol war alles gut. Wie sollte das bloß weitergehen mit mir? Wie lange konnte ich das noch durchhalten?

Eines Tages passierte etwas was sich auf mein ganzes Leben entscheidend ausgewirkt und mich auch geprägt hat.

Was genau passiert ist erzähle ich morgen 

Gedanken 45

Gestern kam ich mit einen guten Freund auf kleinere und größere Fehler des Lebens zu sprechen, als er gerade am Schimpfen über seine Tochter war weil sie damals, vor 20 Jahren, seinen Rat nicht befolgt hat und in die freie Wirtschaft gegangen ist anstatt einen möglichen Job beim Staat anzunehmen. Heute bereut sie die Entscheidung. Als er gerade aufzählte was für sie, als 18-jährige wichtig gewesen sei, unterbrach ich ihn um zu fragen warum er nicht zum Staat gegangen sei, als er die Chance dazu hatte. Damit war die Unterhaltung fast vorbei.

Später dachte ich darüber nach wie es bei mir gewesen ist? Es war nicht viel besser wie bei seiner Tochter. Was interessierte mich Arbeit? Disco, Fußball und Freunde – das war wichtig. Beruf – darüber machte ich mir keine Gedanken. schon eher über einen großen Urlaub. Träumereien waren an der Tagesordnung. Hätte ich nicht auf meine „nervende Mutter“ gehört wäre ich nie im Bibliothekswesen, nie an der Uni gelandet. Ich habe im richtigen Moment zugehört und den Rat eines erfahrenen Menschen befolgt. so gesehen bin ich meiner Mutter dankbar. Interessant find ich aber die Tatsache das sich Generationen übergreifend vieles wiederholt. So wie ich mich nur langsam ins normale Leben integriert habe so ergeht es vielen Jugendlichen heute auch. Darum kann ich es auch nicht verstehen wenn man sich über die Jugend negativ äußert. Sie machen die gleichen Fehler wie wir, nur vergessen das viele der älteren.

Warum bringe ich das mit meinen Blog in Verbindung? Egal ob jung oder alt, Gesund oder Beeinträchtigt. Zuhören und den Rat anderer auch mal annehmen. Keiner sollte von sich behaupten allwissend zu sein. Allein führt der Weg in eine Sackgasse – Gemeinsam ist man stark und kann vieles erreichen