Gedanken 4 – zum Politischen Anfang

1973 wurde ich das erste Mal mit der Politik konfrontiert. Der damalige Landesvorsitzende der Bremer SPD wollte mich für die Partei gewinnen.  Während eines Langeoog Urlaubes lernten wir uns kennen. Ich ging auch ein paarmal zu Veranstaltungen. Und es gefiel mir ganz gut. Aber da ich mit meiner Ausbildung anfing, wollte ich meine Kräfte nur darauf konzentrieren. Ich nahm mir vor mich dann um Politik zu kümmern, wenn ich soweit bin. Das dauerte noch 15 Jahre. Dann glaubte ich reif zu sein um einer Partei beitreten zu können. So wurde ich im November 1988 Mitglied der SPD. Wahrscheinlich wäre ich es schon viel früher geworden, aber ich habe relativ schnell gelernt das ich meine Kräfte bündeln muß. Kleinigkeiten die mich nicht so sehr in Anspruch nehmen, das war kein Problem. Da habe ich vieles gemacht. Aber hier ging es um eine ernstzunehmende Aufgabe. Dafür wollte ich erst einmal alles andere so gut es geht hinbekommen.

Jahre später wurde mir klar, das war die falsche Entscheidung um Karriere zu machen. Es war aber die richtige Entscheidung für die Gesundheit und fürs Leben. Ich würde es wieder so machen.

Am 9. November 1989 fing für mich die Parteiarbeit, auf einen Seminar für Anfänger, an. Kurze Zeit später gab es in unseren Ortsverein(Stadtbezirk) Vorstandswahlen. Unser späterer Bürgermeister schlug mich für den Vorstand vor. Da saß ich nun. Keine Ahnung. Aber im Vorstand! Und weil ich so lieb war und nichts provozierendens von mir gab, war ich kurze Zeit später im Beirat Mitte. Da saß ich nun in dem Kommunalparlament oder Gemeinderat wie es in anderen Bundesländern heißt. Von der SPD etwas Ahnung, vom Ortsverein wenig Ahnung und vom Beirat überhaupt keine Ahnung.

Es war wie so vieles bei mir im Leben: Erst einmal die Chance nutzen, und dann im Laufe der Zeit dazulernen und sich etablieren. Dabei wurde mir schnell klar das ich nur als Exot gesehen wurde. Aber genau das ist der Punkt wo ich mich für ein selbständiges Leben in der Politik entschieden habe. Ich fing an, gegen viele Widerstände, meinen eigenen Weg zu gehen. Auch hier war es wie im richtigen Leben. Du kannst ein ruhiges unaufgeregtes Leben führen. Aber dann nur als Marionette. Oder du führst ein eigenständiges Leben indem dir auch Respekt entgegen gebracht wird. Aber dafür mußt du kämpfen

Gedanken 3 – über den sportlichen Anfang

Heute fange ich mal mit dem Sport an: Denn das ist meine Leidenschaft. Insbesondere der Fußball.

Es gab einen entscheidenden Grund warum ich wieder so schnell, nach meinen Unfall,   gehen konnte: Ich wollte wieder Fußball spielen. Und darum brachte mir meine Mutter auch meine Turnschuhe, die wie Fußballschuhe aussahen, ins Krankenhaus. Von da an habe ich die Pfleger und Krankenschwestern zur Verzweiflung gebracht. Sie hatten keinen Einfluß mehr auf mich. Ich wollte nur noch üben. Üben das ich wieder laufen kann. Egal wie oft ich mich übergeben habe und erschöpft ich war: Ein Versuch ging noch! Angefangen habe ich mit der Umrundung meines Bettes. Einmal rechts rum dann ins Bett und auf der anderen Seite wieder raus. Zurück gehen konnte ich ja nicht. Mit links konnte ich mich nicht halten.  Mit der Krankengymnastin habe ich die ersten richtigen Schritte geschafft. Und nach 3 Monaten konnte ich sogar allein mit der Krüke ein paar Schritte laufen.

Wahrscheinlich wäre ich lange Zeit im Rollstuhl geblieben. Aber ich hatte ein Ziel. Und für dieses Ziel habe ich alles aber absolut alles gegeben. Vielleicht war mein Ehrgeiz übertrieben und unvernünftig. Aber wer nur vernünftig ist kommt nicht weit.  Es gibt      Momente da muß die Vernunft dem Mut weichen.

Deswegen konnte ich, kurz nach Wiedereinschulung in die 5. Klasse im März, schon dem Ball hinterher jagen. Für außenstehende mag es ein komisches Bild gewesen sein. Für mich war es das größte.

Auf dem Schulhof haben wir in der Pause mit einen Tennisball Fußball gespielt. Und keinen meiner Klassenkameraden hat es gestört, das ich mit meiner Krüke versucht habe den Ball zu bekommen oder mit der Krüke den Ball geschossen haben.

Ich war dabei!!  Ich konnte Fußball spielen.  Von da an mußte ich wirklich gebremst werden. Und so begann mein Genesungsprozeß mit Hilfe des Sports. Allmählich hatte ich verstanden, das ich kein Profi werden kann. In dem Moment war es wichtig, das ich vernünftig denken und auch handeln konnte. So kam ich zum Behindertensport, der mir noch sehr viel geben sollte in den nächsten Jahren.

Gedanken 2 – über Freundschaft

Nun schreibe ich einen Monat diesen Blog und habe immer noch kein Feedback erhalten. Aber ich werde weitermachen. Mir jagen die Gedanken und nur so durch den Kopf. Und ich bin mir nicht immer sicher ob es Weisheiten, Gedanken oder Tägliches zuzuordnen ist, was ich hier schreibe.

In meiner Stammkneipe bekam ich gestern mit was Kollegialität ist:  Obwohl eine Bedienung schon eine schwere Tagschicht hinter sich hatte, half sie einer Kollegin, die ein unvorhergesehenes Problem hatte,  indem sie deren Nachtschicht übernahm.  Das ist Freundschaft.

Und da fielen mir auch etliche Situationen ein, die ich selber durchlebt habe.

Freunde sind etwas ganz wichtiges im Leben. Wie wichtig Freundschaft ist habe ich in vielen prekären Fällen erlebt.  Es ist gut zu wissen, das jemand da ist wenn man Hilfe braucht. Es ist schön zu wissen das man nicht allein ist. Es ist beruhigend zu wissen, das man jemanden oder mehrere hat die meine Probleme anhören, Verständnis haben, und auch zur Lösung beitragen wollen.

Nur gibt es eine Kleinigkeit die beachtet werden sollte. Das Gleichgewicht sollte stimmen. Wer nimmt muß auch geben können!

Und das kann manchmal schwer sein. Denn nicht immer passt es. Es gibt soviele Gründe sich zu drücken. Aber Hilfe läßt sich leider nicht terminieren. Egal wie schwer es fällt und wie es einen selber gerade nicht passt. Man sollte alles unternehmen um zu helfen.  Dabei darf es keine Rolle spielen ob eine gesunde Mischung zwischen Geben und Nehmen entsteht, oder ob man Jahrelang in der „Geber-Rolle“ ist. Die Situation kann sich urplötzlich ändern und man ist lange Zeit in der „Nehmer-Rolle“.

Freundschaft ist nicht meßbar! Freundschaft ist ein hohes Gut das gepflegt werden sollte.

Das was ich heute bin was ich heute erreicht habe, das habe ich auch zu einen großen Teil meinen Freunden zu verdanken. Und dadurch das ich auch sehr oft hefen oder unterstützen konnte, hat sich meine „Geber-Rolle“ auch noch positiv auf mich ausgewirkt. Neben meiner Frau sind Freunde die wichtigsten Bezugspersonen die ich habe

Gedanken 1 – zur Arbeit

Manchmal verfalle ich in Gedanken, was wäre wenn? Vor allen an Tagen wie diesen, wenn alles ganz normal verläuft. Heute war ich bei den Anfängen meiner Arbeit

Was wäre mit mir, wenn ich damals die leichte Variante gewählt hätte? Kein Aufbäumen,  kein Kämpfen, keine Schmerzen, keine Qualen. Das wäre viel leichter gewesen für mich. Weniger Ärger, kaum Streß, kein Büffeln bis in die Nacht, kaum Verantwortung.

Aber ich habe mich für den Dornigen Weg entschieden. Den Lohn konnte ich inzwischen schon mehrfach einstreichen

Dabei wurde mir der Weg zu einer Behinderteneinrichtung so leicht gemacht. Ich hätte nur ja sagen müssen.  Aber das war nicht mein Ziel. Mein Ziel war immer der der vorletzte Platz unter den „normal gesunden“.  Ich mußte, wegen mangelhafter Noten in der Ausbildung, zu einen Vorstellungsgespräch beim Martinshof (heute Werkstatt Bremen)erscheinen, und mir dort alles  anhören.  Dabei wurde mir klar, das ich noch mehr arbeiten mußte und mich noch mehr quälen mußte. Aber eines wollte ich nicht: In keine Behinderten-Einrichtung. Ein Gedanke war für mich damals ganz entscheidend:

Egal, welche Variante ich wähle, ob leicht oder hart,  mein Leben geht weiter. Es war nur die Frage, ob ich über mich bestimmen lasse oder ob ich mein Leben selber bestimme.

Da es ziemlich eng für mich war, bin ich der Gewerkschaft beigetreten und ich habe eine Flugblatt Aktion gemacht und bin zur Bild Zeitung.  Egal wo ich kämpfen konnte – ich habe gekämpft.  Und ich durfte meine Ausbildung zu Ende machen.  Den Abschluß habe ich sogar mit 2,3 gemacht. Mein Ziel hatte ich erreicht. Nur eins hatte ich gelernt:

Wenn ich mich zu lange gehen lasse. wird es immer schwerer voranzukommen.

Seitdem ist jeder Tag ein Kampf für mich. Mal klein, mal groß.  Und manchmal ist auch ein Kraftakt notwendig. Aber außer mir bekommt das keiner mit.  Und deswegen versuche ich mich nicht mehr gehen zu lassen. Stattdessen versuche ich mit positiven Denken dagegen zu steuern