Revisor

Es war ein fast normaler Tag.  Aufstehen – zur Kaffeerunde – mit dem Rad zur Arbeit später auch zurück. Und das ohne naß zu werden. Ein ruhiger Nachhmittag. Und dann begann für mich ein neues Kapitel.

Im Februar wurde ich als Revisor in den Vorstand meines Kleingartenvereins gewählt. Nun war meine erste Vorstandssitzung. Während der Sitzung habe ich so nebenbei mitbekommen, das sich einige Vorstandsmitglieder an der Wahl gestört haben.  Das mein Nachbar und ich direkt vom Vorsitzenden vorgeschlagen wurden, hat nicht bei jeden Zustimmung gefunden. Ich könnte das auch auf mich und meine Behinderung beziehen, was auch der Fall sein kann.

Nur das interessiert mich nicht! Ich bin ohne Gegenstimme gewählt geworden. Und was hinter meinen Rücken geredet wird, das muß mich kalt lassen. Gerede wird es immer geben. Ich darf mich davon nicht beeindrucken lassen. Auch wenn es nicht immer leicht fällt: Ich muß versuchen darüber zu stehen. Es ist wichtig das ich an mich glaube und von dem was ich mache überzeugt bin. Denn wenn ich immer auf das „Gerede der Leute“ eingegangen wäre, würde ich heute nicht soweit sein.

Gedanken 4 – zum Politischen Anfang

1973 wurde ich das erste Mal mit der Politik konfrontiert. Der damalige Landesvorsitzende der Bremer SPD wollte mich für die Partei gewinnen.  Während eines Langeoog Urlaubes lernten wir uns kennen. Ich ging auch ein paarmal zu Veranstaltungen. Und es gefiel mir ganz gut. Aber da ich mit meiner Ausbildung anfing, wollte ich meine Kräfte nur darauf konzentrieren. Ich nahm mir vor mich dann um Politik zu kümmern, wenn ich soweit bin. Das dauerte noch 15 Jahre. Dann glaubte ich reif zu sein um einer Partei beitreten zu können. So wurde ich im November 1988 Mitglied der SPD. Wahrscheinlich wäre ich es schon viel früher geworden, aber ich habe relativ schnell gelernt das ich meine Kräfte bündeln muß. Kleinigkeiten die mich nicht so sehr in Anspruch nehmen, das war kein Problem. Da habe ich vieles gemacht. Aber hier ging es um eine ernstzunehmende Aufgabe. Dafür wollte ich erst einmal alles andere so gut es geht hinbekommen.

Jahre später wurde mir klar, das war die falsche Entscheidung um Karriere zu machen. Es war aber die richtige Entscheidung für die Gesundheit und fürs Leben. Ich würde es wieder so machen.

Am 9. November 1989 fing für mich die Parteiarbeit, auf einen Seminar für Anfänger, an. Kurze Zeit später gab es in unseren Ortsverein(Stadtbezirk) Vorstandswahlen. Unser späterer Bürgermeister schlug mich für den Vorstand vor. Da saß ich nun. Keine Ahnung. Aber im Vorstand! Und weil ich so lieb war und nichts provozierendens von mir gab, war ich kurze Zeit später im Beirat Mitte. Da saß ich nun in dem Kommunalparlament oder Gemeinderat wie es in anderen Bundesländern heißt. Von der SPD etwas Ahnung, vom Ortsverein wenig Ahnung und vom Beirat überhaupt keine Ahnung.

Es war wie so vieles bei mir im Leben: Erst einmal die Chance nutzen, und dann im Laufe der Zeit dazulernen und sich etablieren. Dabei wurde mir schnell klar das ich nur als Exot gesehen wurde. Aber genau das ist der Punkt wo ich mich für ein selbständiges Leben in der Politik entschieden habe. Ich fing an, gegen viele Widerstände, meinen eigenen Weg zu gehen. Auch hier war es wie im richtigen Leben. Du kannst ein ruhiges unaufgeregtes Leben führen. Aber dann nur als Marionette. Oder du führst ein eigenständiges Leben indem dir auch Respekt entgegen gebracht wird. Aber dafür mußt du kämpfen

Politische Fragezeichen

Heute war endlich mal wieder unser Ortsverein angesagt.  Nach 5 Monaten Pause tagte die SPD Innenstadt mal wieder. Es war ein schönes Gefühl mal wieder mit der Basis aktiv zu sein. Allerdings war ich danach etwas durcheinander.

Im Vorfeld wurde ich gefragt ob ich den OV als Vorsitzender wieder führen könnte. Immerhin war ich es schon einmal (1996-2004) gewesen.  Eigentlich wollte ich das garnicht mehr. Meine Funktion im Beirat Mitte(vergleichsweise Gemeinterat ) sowie die Funktion des Behindertenbeauftragten für den Bereich Stadtmitte, reicht mir eigentlich. Aber es schmerzt mit ansehen zu müssen wie einiges auf der wichtigsten Ebene(der Basis) schief läuft.

Aber ich habe mich dafür entschieden meinen jetzigen Weg weiter zu gehen. Es wäre nicht gut meine Kraftreserven einfach zu verbrauchen.